Europa

Besuch in Lelystad

Über den Deich ins Kaffeebraun und Shopping-Glück: Mit einem Reisemobil soll man bekanntlich reisen – und genau deshalb ging es nach dem Frühstück wieder los. Das heutige Tagesziel hiess Lelystad. Auf dem Plan standen das bekannte Batavia Stad Fashion Outlet und dank des fabelhaften Sommerwetters eine weite, ungestörte Sicht bei der erneuten Überquerung des Markerwaarddijks. Doch bevor die Shopping-Tour starten konnte, hielten mich eine unerwartete Flugverbotszone und ein spontaner Chemie-Einsatz aus der Camping-Küche in Atem.

Der Drohnen-Fauxpas am Fort Kijkduin

Beim Verlassen des Campingplatzes nutzte ich an der Servicestation noch einmal die Gelegenheit, das Grau- und Schwarzwasser abzulassen. Anschliessend steuerte ich den Camper am Deich entlang in Richtung Huisduinen. Ich wollte den Aussichtspunkt „Kaaphoofd“ unbedingt noch einmal besuchen, da ich bei der gestrigen Radtour gesehen hatte, dass man dort fantastisch direkt auf der Deichkrone parkieren kann. Zudem hatte ich mir vorgenommen, den markanten Leuchtturm und das historische Fort Kijkduin bei diesem Kaiserwetter ausgiebig mit meiner Drohne von oben zu fotografieren.

Vor dem Fort befindet sich ein grosser Besucherparkplatz, auf dem Hugo rasch einen passenden Stellplatz fand. Das Wetter präsentierte sich von seiner besten Seite: strahlend blauer Himmel, ein paar vereinzelte Schäfchenwolken und herrlicher Sonnenschein – absolut perfekte Bedingungen für ein paar spektakuläre Luftaufnahmen.

Ich packte die Drohne aus, startete die Motoren und schickte sie in den Himmel. Beim Abheben blinkte zwar kurz ein kleiner Warnhinweis auf dem Display auf, den ich im Eifer des Gefechts jedoch schlicht übersah. Ich flog ein paar entspannte Runden und schoss die ersten Fotos, als plötzlich ein Mann zielgerichtet auf mich zukam. Da ich kein Holländisch verstehe, wechselte er direkt in ein makelloses Englisch und wies mich unmissverständlich darauf hin, dass das Fliegen von Drohnen in diesem gesamten Areal strengstens untersagt sei. Der Grund: ein unmittelbar angrenzender Militärstützpunkt der niederländischen Marine.

Erschrocken über meinen eigenen Fehler brachte ich die Drohne augenblicklich zum Sinken und landete das Gerät. Ein Blick in eine spezielle App, die ich eigentlich genau für solche Zwecke auf dem Smartphone installiert, aber vor dem Start schlichtweg nicht konsultiert hatte, bestätigte es schwarz auf weiss: Ich befand mich mitten in einer riesigen Flugverbotszone. Lektion gelernt!

Fotostopp auf der Deichkrone

Nach diesem kleinen Schrecksekunden-Erlebnis zog ich weiter zum Aussichtspunkt „Kaaphoofd“. Hier hatte ich echtes Timing-Glück: Genau in dem Moment, als ich mit dem grossen Camper vorrollte, machten zwei Pkw ihre Plätze frei, sodass Hugo perfekt in die Lücke passte.

Auch wenn der Deich und die Deichkrone an dieser Stelle vollständig asphaltiert sind, ist es ein unheimlich schöner Ort mit einem phänomenalen Weitblick über das offene Meer und das weite Deichhinterland. Ich nutzte die Kulisse für ein paar ausgiebige Fotos. Die Drohne blieb dieses Mal allerdings konsequent in ihrer „Garage“ verstaut – direkt unterhalb des Parkplatzes lag schliesslich die besagte Kaserne.

Teer-Alarm auf dem Deich und der Butter-Trick

Nachdem ich den Ausblick eine Weile genossen hatte, ging es weiter. Ein kleiner Zwischenstopp für ein paar Besorgungen bei Albert Heijn durfte auf dem Weg natürlich nicht fehlen. Nach etwas über einer Stunde Fahrzeit erreichte ich Enkhuizen, den Startpunkt für die Fahrt über den Markerwaarddijk. Da es heute sommerlich warm und sonnig war, gestaltete sich die Überfahrt noch um ein Vielfaches schöner als beim ersten Mal. Der Blick reichte meilenweit über die glitzernde Wasserfläche.

Auf halber Strecke nutzte ich die Gelegenheit, auf dem einsamen Parkplatz „Trintelhaven“ mitten auf dem Deich einen Zwischenhalt einzulegen, um die Kamera anzuschmeissen und die Drohne – hier völlig legal abseits der militärischen Zonen – ein wenig steigen zu lassen. Grosse Teile des IJsselmeers sind allerdings auch hier als sensible Naturzonen für Drohnen gesperrt.

Ich sass eine Weile entspannt auf der Deichanlage und beobachtete die unzähligen Seevögel, die in den Aufwinden tanzten. Als ich schliesslich zum Wohnmobil zurückkehrte und den Motor starten wollte, folgte die böse Überraschung: Ich entdeckte erschrocken tiefschwarze Flecken auf den Polstern der hellen Sitze. Es war frischer, zäher Teer! Durch die starke Sommerhitze hatte sich das Bindemittel im Asphalt des Deichs verflüssigt und klebte nun unbemerkt an meiner Hose.

Die Hose wurden blitzschnell gegen frische Kleidung getauscht, während im Cockpit kurz Ratlosigkeit herrschte, wie die Sitze zu retten seien. Plötzlich schoss mir eine alte Kindheitserinnerung in den Kopf: Ich hatte mich als kleiner Junge beim Spielen einmal komplett mit Teer eingesaut – was bei meinen Eltern damals verständlicherweise für wenig Begeisterung gesorgt hatte. Aber ich wusste noch genau, dass meine Mutter den klebrigen Teer damals mit ganz normaler Haushaltsbutter restlos gelöst hatte.

Da die Sitze ohnehin ruiniert aussahen und im Kühlschrank von Hugo ein frisches Stück Butter lag, wagte ich das Experiment. Was soll ich sagen? Der Trick funktionierte schlichtweg phänomenal! Die Fette der Butter lösten die zähe Teerverbindung vollständig auf, und die verbliebenen Fettflecken liessen sich im Anschluss ganz einfach mit warmem Seifenwasser aus dem Polsterstoff reiben. Die Erleichterung war gigantisch – der Camper-Innenraum war gerettet!

Kunst am Deich und Highspeed-Downloads im Outlet

Nach dieser ungeplanten Aufregung legte ich die verbleibenden Kilometer bis nach Lelystad entspannt zurück. Am Ende der Deichstrecke hielt ich noch einmal kurz an, um mir das monumentale Kunstwerk „Der hockende Mann“ (Exposure) aus der Nähe anzuschauen. Vom Parkplatz aus führt ein schöner Fussweg direkt an die gigantische Metallskulptur heran. Zudem genoss ich von dort einen tollen Blick auf die Skyline von Lelystad und das angrenzende Batavialand.

Wenig später steuerte ich direkt den Campingplatz an, der strategisch günstig nur rund fünf Kilometer vom Batavia Outlet entfernt liegt. Ich schnappte mir das Fahrrad, und die Fahrt führte mich durch gemütliche Wohnviertel und grüne Parks. Nach gut 30 Minuten und ein, zwei kleinen Navigationsfehlern an den Kreuzungen war das Ziel erreicht.

Die Besucheranzahl in der Outlet-Mall war erfreulicherweise absolut überschaubar. Da ich nicht nach etwas Bestimmtem suchte, genoss ich das entspannte Schlendern durch die hübsch angelegten Ladenstrassen. Zudem nutzte ich die Gelegenheit für ein ganz anderes Problem: Ein fehlerhaftes iOS-Update hatte auf meinem Smartphone die persönliche Hotspot-Funktion komplett zerschossen, sodass ich im Camper kein Internet für mein iPad aufbauen konnte. Das öffentliche WLAN im Batavia Outlet erwies sich als absolute Rakete – die Downloads von Serien und Filmen für die Abendunterhaltung flogen in einer solchen Geschwindigkeit auf das Tablet, dass ich meinen Augen kaum traute.

In dieser Hinsicht war der Besuch also ein voller Erfolg. Beim Kleidungskauf sah es allerdings mager aus: Aufgrund der strengen Covid-19-Auflagen war es den Geschäften untersagt, die Umkleidekabinen zu öffnen. Ohne Anprobe machten Käufe wenig Sinn, sodass es am Ende bei ein paar netten Kleinigkeiten blieb. Der Rückweg mit dem Rad klappte im Anschluss deutlich flotter, da die Route nun saß.

Schotterplatz und Pesto-Nudeln beim Gewitter

Mein Quartier für die Nacht war der Campingplatz „Buytenplaets Suydersee“ – ein unheimlich günstiger, kleiner Platz. Die Anlage ist eigentlich wunderschön im Grünen gelegen; grosse Teile der Stellplätze erstrecken sich über idyllische, von alten Bäumen gesäumte Wiesen, und es gibt dort originelle Erlebnisunterkünfte wie Baumhäuser zu bestaunen. Der separate Bereich für Wohnmobile ist allerdings im Vergleich dazu leider etwas lieblos geraten: Man steht hier recht dicht gedrängt auf tiefschwarzem Schotter.

Zum Glück war ausser Hugo an diesem Abend nur ein einziges weiteres Wohnmobil auf dem Platz, sodass uns die enge Aufteilung nicht weiter störte. Der Sanitärbereich war absolut top, und für eine Nacht war das Gesamtpaket angesichts des niedrigen Preises völlig in Ordnung.

Zum Abendessen kochte ich mir eine schnelle, klassische Portion Nudeln mit frischem Pesto. Dank meiner grossen, robusten Outdoormatte, die ich vor der Aufbautür ausbreitete, war der schottrige Untergrund beim Sitzen vor dem Camper absolut erträglich. Als sich der Himmel am späten Abend bedrohlich verdunkelte und ein heftiges Sommergewitter aufzog, packte ich die Campingstühle zügig zusammen und flüchtete in die gemütliche Koje des Hugos. Bei prasselndem Regen auf dem Dach liess ich den erlebnisreichen Tag bei einem gemütlichen Serienmarathon entspannt ausklingen.

Etappe: Julianadorp – Den Helder – Enkhuizen – Markerwaarddijk – Lelystad (ca. 105 km im Wohnmobil)

Übernachtung – Campground:

Campingplatz „Buytenplaets Suydersee“

17,00 € für eine Nacht

Der Campingplatz an sich ist nett. Aber die Stellplätze für Wohnmobile ist nicht wirklich einladend. Für eine Nacht auf Durchreise aber absolut ok.

Empfehlung: ★★☆☆☆

Für eine reine Übernachtung auf der Durchreise und / oder den Besuch des Outlet ok.

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