
Ausflug nach Alkmaar (Tag 4)
Flexibilität ist alles: Wenn das Nordseewetter die Pläne durchkreuzt, schlägt die grosse Stunde des Wohnmobils. Statt einer geplanten Fahrradtour im Dauerregen ging es heute mit Hugo auf Entdeckungsreise landeinwärts. Nach einer nervenaufreibenden Parkplatzsuche in den engen Gassen von Alkmaar warteten eine wunderschöne historische Altstadt, ein dreister tierischer Raubüberfall und ein windiger Abstecher an die weitläufigen Dünen von Petten.
Der Schönwetter-Radler steigt um
Nach dem morgendlichen Frühstück stand eigentlich fest: Ich wollte mit den Bikes nach Alkmaar radeln. Allerdings war das Wetter so gar nicht auf meiner Seite. Es nieselte und regnete im Wechsel durchgehend. Da ich mich definitiv zu den Schönwetter-Radlern zähle, hatte ich unter diesen Bedingungen natürlich überhaupt keine Lust, mich auf den Sattel zu schwingen.
Also beschloss ich, mit meinem fahrenden Zuhause nach Alkmaar zu fahren. Schnell war alles reisefertig. Ich nutzte den Moment auch gleich noch einmal, um das Grau- und Schwarzwasser an der Station zu leeren, und dann rollte Hugo auch schon vom Platz.
Gemütlich und entspannt ging es die Strassen entlang. Anfangs nieselte es noch ein wenig, aber dann wurde es langsam besser. Die Route führte an verschiedenen kleinen Orten und typisch holländischen Windmühlen vorbei. Das ist genau der Teil, den ich am Reisen mit dem Wohnmobil so schätze: Man hat alles dabei, kann durch die hohe Sitzposition die Gegend perfekt im Blick behalten und fährt per se schon viel entspannter als mit einem normalen Pkw.
Millimeterarbeit auf dem Innenhof-Parkplatz
Gleich nach der Ankunft in Alkmaar wurde mir aber auch wieder deutlich, was einem das Reisen mit dem Wohnmobil in Europa manchmal schwerer macht. Mein Hugo ist zwar recht schmal und lässt sich auch durch die meisten Engstellen entspannt manövrieren, aber bei einer Länge von rund 7,50 Metern (inklusive Fahrradträger und Bikes) ist es eben nicht immer einfach, sofort einen passenden Parkplatz zu finden. In diesen Momenten erinnerte ich mich gerne an die USA zurück, wo es nahezu überall ein Kinderspiel ist, das Wohnmobil abzustellen.
Ich kurvte also durch Alkmaar und folgte dem Parkleitsystem. Nur gab es nirgends eine Lücke. Die vielen Parkhäuser fielen aufgrund der Fahrzeughöhe ohnehin flach, und die regulären Parkplätze waren komplett voll. Aus dem Augenwinkel hatte ich eine schmale Einfahrt gesehen, die zwischen zwei Häuserblöcken hineinführte, aber ich war mir im dichten Verkehr unsicher. Zudem gab es in diesem Moment keine gute Möglichkeit zum Wenden, also fuhr ich erst einmal weiter. Ein Abstecher in ein nahes Industriegebiet brachte leider auch keinen Erfolg.
Mithilfe von Google Maps schätzte ich den zuvor gesichteten Parkplatz noch einmal neu ein. Das Satellitenbild stimmte mich zuversichtlich, also gab ich die Koordinaten als Ziel ein und liess mich noch einmal dorthin navigieren. Und tatsächlich: Im Innenhof (Kwakelkade 15-19) verbarg sich ein recht grosser Parkplatz, der kaum besucht war. Ich wagte es und stellte Hugo ab. Um möglichst wenige Plätze zu blockieren, wählte ich eine Stelle ganz am Rand. Das ermöglichte mir später ein ungestörtes Ausparken und ich konnte den hinteren Überhang so über der Begrenzung platzieren, dass er niemanden störte. So schaffte ich es tatsächlich, nur zwei Parkplätze zu beanspruchen – ja, man wird manchmal zu einem kleinen Rabauken mit dem Wohnmobil.
Historische Gassen und ein dreister Sandwich-Raub
Nach weniger als zehn Minuten Fussweg stand ich auch schon am berühmten „Hollands Kaasmuseum“ auf dem Waagplein in der Altstadt. Hier findet seit Jahrhunderten regelmässig von März bis September freitags der traditionelle Käsemarkt statt. Ich war hier vor vielen Jahren einmal als Kind mit meinen Eltern. Damals hatte mein Vater sogar beim Showlaufen mitmachen und den Käse auf einer der traditionellen Holztragen transportieren dürfen. Ich wusste allerdings schon im Vorfeld, dass dieser Markt aufgrund der Covid-19-Pandemie aktuell komplett ausgesetzt war. Deshalb hatte ich es auch nicht extra auf einen Freitag angelegt.
Die Altstadt besticht durch viele nette, schmale Gassen und wunderschöne, historische Wohn- und Geschäftshäuser. Ich schlenderte eine Weile durch die Strassen und genoss die verhältnismässige Ruhe – aufgrund des durchwachsenen Wetters waren angenehm wenig Menschen unterwegs.









Plötzlich wurde ich Zeuge eines unfassbar dreisten Diebstahls: Eine Möwe schoss wie ein Stein aus der Luft herunter und klaute das Sandwich einer jungen Frau direkt von ihrem Tablett! Sie hatte sich gerade vor dem Laden an einen halbüberdachten Tisch gesetzt und die erste Hälfte zu essen begonnen, als die Möwe ihren perfekten Coup landete. Das Ganze ging so schnell, dass niemand auch nur reagieren konnte. Die sichtlich erschrockene Frau und ihre Begleitung nahmen es aber zum Glück mit viel Humor.
Da sich bei mir nun ebenfalls der Hunger meldete, holte ich mir in exakt diesem Laden auch ein Sandwich. Da ich nun aber um die hiesigen „Raubvögel“ wusste, behielt ich meine Sandwichhälfte eisern und fest in der Hand und lief ein gutes Stück von dem Laden weg. So konnte ich das Essen ganz ohne tierische Störungen geniessen. Später gönnte ich mir noch ein leckeres Eis in der Nähe der „Grote Sint-Laurenskerk“, bevor der Rückweg zu Hugo anstand.
Grauer Ausblick in Petten
Auf dem Rückweg wollte ich noch am Strand von Petten vorbeischauen, der als beliebter Ferienort bekannt ist. Nachdem ich einen geeigneten Parkplatz neben einem örtlichen Campingplatz gefunden hatte, holte ich mir im dortigen Café erst einmal einen warmen Kaffee zum Mitnehmen.
Damit spazierte ich über die Dünen hinauf zu einem herrlich angelegten Aussichtspunkt. Von dort oben bot sich ein toller Blick über den Strand. Dieser ist wirklich extrem weitläufig, breit und mit feinstem Sand gesegnet. Bei sonnigem und warmem Wetter ist es hier sicher gigantisch. Ich genoss den Ausblick eine Weile im Wind, bevor ich mich bei wiedereinsetzendem Nieselregen in die schützende Wärme des Wohnmobils zurückzog.
Burger-Küche unter der Markise
Auf dem Heimweg legte ich noch einen kurzen Stopp bei Albert Heijn in Callantsoog ein. Da ich ohnehin mit dem Wohnmobil unterwegs war, nutzte ich die Gelegenheit direkt für einen grösseren Lebensmitteleinkauf. Dabei landeten auch die perfekten Zutaten für frische, selbstgemachte Burger im Einkaufskorb.
Zurück am Campingplatz war alles schnell wieder aufgebaut und ich startete mit der Zubereitung auf dem Grill. Da es inzwischen trocken und angenehm warm war, machte ich es mir unter der ausgefahrenen Markise bequem. In Hoodie und Jogginghose liess es sich dort wunderbar aushalten. Zum Abschluss des Tages feilte ich noch am Plan für den nächsten Tag und reservierte den kommenden Campingplatz: Morgen geht es für mich nämlich noch einmal zurück nach Lelystad.
Etappe: Ausflug von Julianadorp nach Alkmaar und Petten (ca. 85 km im Wohnmobil)



