
Schottland Roadtrip: Von der Geburtstagspanne zum „Retter mit der Augenklappe“
Der Plan für Tag 2 – zufällig auch mein Geburtstag – war simpel: Ein gemütliches Frühstück im Wohnmobil und dann die nächsten 750 Kilometer abspulen. Ich wollte schnell nach Schottland, um in Edinburgh ein paar schöne Tage zu verbringen. Doch wie das Leben so spielt, kam alles ganz anders.
Der Tag begann vielversprechend bei angenehm warmem Wetter und strahlendem Sonnenschein. Ich genoss die Fahrt, während die englische Landschaft an mir vorbeizog. Hier und da ein kleiner Stopp, um ein paar Lebensmittel oder einen Kaffe bei Starbucks zu kaufen. Doch gegen 15:00 Uhr änderte sich die Stimmung schlagartig: Mein treuer Begleiter „Hugo“ verlor plötzlich massiv an Leistung, der Motor überhitzte und ein beunruhigendes Rumpeln drang aus dem Motorraum.
Notstopp am Grünstreifen
Geistesgegenwärtig suchte ich mir an einer vierspurigen Bundesstrasse die bestmögliche Stelle auf dem Grünstreifen. Ein Blick unter die Motorhaube bestätigte meine Befürchtung: Ein Keilriemen hing lose herab, der andere war extrem locker.
In dieser gefährlichen Situation unmittelbar am Strassenrand war Sicherheit das oberste Gebot. Also sicherte ich das Fahrzeug mit Warnblinkanlage und Warndreieck. Zusätzlich band ich eine Warnweste gut sichtbar ans Heck und liess die Motorhaube offen – der Klassiker, um weithin sichtbar zu signalisieren: Hier geht nichts mehr.



Nach dem Anruf beim TCS in der Schweiz wurde die Unterstützungskette in Gang gesetzt. Kurze Zeit später meldete sich der britische Automobilclub bei mir. Da die Abschleppunternehmen in der Gegend jedoch stark ausgelastet waren, musste ich mich auf eine zweistündige Wartezeit einstellen. Gegen 17:00 Uhr traf der ersehnte Monteur ein und bestätigte meine Vermutung: Die Riemenscheibe war abgerissen. Er lotste mich aus der Gefahrenzone in eine ruhige Sackgasse im Industriegebiet von Alnwick.
Optimismus am Grill
Obwohl der Monteur vor Ort nichts ausrichten konnte, blieb ich zuversichtlich. Da das Wetter herrlich war, packte ich den Grill aus, briet mir ein Steak und schenkte mir ein Glas Wein ein. Mit Blick auf eine grüne Wiese dachte ich mir: „Eigentlich ist es gar nicht so schlimm.“




Die Stimmung wurde kurz darauf etwas getrübt, als ein zweiter Monteur dazustiess. Seine Einschätzung war weniger optimistisch: Das Fahrzeug müsse in eine Werkstatt. Ein erstes Telefonat des Monteurs mit einem Bekannten einer Garage in der Nähe verlief frustrierend – sie waren für die nächsten drei Wochen ausgebucht.
Mit ein paar Adressen für den nächsten Tag im Gepäck und nach einem ereignisreichen Geburtstag fiel ich schliesslich erschöpft in mein Bett. Edinburgh musste wohl noch ein wenig warten.
Tag 3: Zwischen Hiobsbotschaften und Hoffnung
Nach einer kurzen Nacht und einem entspannten Kaffee bei Starbucks (es gab eine Filiale in der Nähe, die ich in 15 Miuten zu Fuss erreichen konnte) machte ich mich mit dem E-Bike auf den Weg. Ich klapperte jede Garage im Ort ab, doch überall das gleiche Bild: Ausgebucht für die nächsten drei Wochen oder zu klein für ein Wohnmobil.
Gegen 15:00 Uhr dann die Hiobsbotschaft vom TCS: Laut dem britischen Automobilclub AA gäbe es den nächsten freien Termin in einer Ford-Werkstatt erst am 29. Mai. Die engagierte TCS-Mitarbeiterin versuchte mir trotzdem weiterzuhelfen und bot mir an, einen Mietwagen zu besorgen. Allerdings merkten wir schnell, dass die geplante Wohnmobilreise auf diese Weise nicht zu ersetzen ist (ich hatte ja „nur“ Übernachtungen auf Campingplätzen geplant und konnte meine Sachen nicht ohne weiteres aus dem Wohnmobil räumen. Als wir dann über eine Organisation der Rückreise sprachen – ohne mein Wohnmobil – überrollte mich ein Kopfkino, dass mir ein klares Denken unmöglich machte. Ich bat um eine Gesprächspause, um mich neu zu sortieren. Und ich war einfach nicht bereit „aufzugeben“!


Die Rettung: Gary’s Garage
Ich hatte noch eine Werkstatt auf meiner Liste, die am Vormittag geschlossen war: Gary’s Garage. Dort erwartete mich ein junger Mechaniker mit einer Augenklappe. Ich schilderte ihm mein Problem. Er blätterte in seiner Agenda und sagte plötzlich: „Ich kann dich diesen Mittwoch reinnehmen.“ Ich war so glücklich, dass ich ihm spontan danken musste. Die Rettung war in Sicht!
Logistik-Chaos: Vom Mercedes zum Transporter
Da Hugo nun bis Mittwoch blockiert war (es war Montag), brauchte ich einen Mietwagen. Die Suche gestaltete sich „schwierig“, da es in Alnwick keinen Vermieter gab. Nach einem Telefonat mit Enterprise in der Nähe war eigentlich eine Mercedes A-Klasse reserviert. Als ich jedoch mit dem Uber an der Station ankam, teilte man mir mit, dass kein PKW verfügbar sei. Da sie keine ausländischen Nummern anrufen durften, konnte man mich nicht vorwarnen.
Die einzige Option: Ein Renault Trafic – ein kleiner Transporter. Ich dachte mir: „Besser ein Transporter als gar kein Auto!“ Mit meinem neuen Gefährt fuhr ich zurück zum Wohnmobil und grillte mir ein weiteres Steak. Der Plan für morgen: Mit dem Transporter nach Edinburgh fahren, um die Wartezeit sinnvoll zu nutzen.


