
USA Nordwesten: Von Seattle nach Missoula
Heute stand mir eine echte Mammuttour bevor: Nach dem Abschied vom Mietwagen hiess es „Go East!“. Mein Ziel: Missoula im Bundesstaat Montana. Ein Roadtrip-Tag wie er im Buche steht – mit wechselnden Landschaften, einem charmanten Zwischenstopp in einer der schönsten Kleinstädte der USA und einem unerwartet urigen kulinarischen Erlebnis im Nirgendwo. Schnallt euch an für über 700 Kilometer pure Westküsten-Interstate!
Roadtrip-Auftakt auf der I-90
Nachdem ich am Morgen den Mietwagen erfolgreich abgegeben hatte, startete ich zu einer echten Mammuttour. Ich hatte mir vorgenommen, an einem einzigen Tag von Everett im Staat Washington bis nach Missoula in Montana zu reisen.
Die Route führte mich auf der Interstate 90 immer weiter Richtung Osten. Der erste Abschnitt brachte mich durch die dicht bewaldeten Berge über den Snoqualmie Pass. Obwohl das Wetter noch recht regnerisch war, bot sich mir ein fantastischer Anblick: Der dichte, sattgrüne Wald, mystische Nebelschwaden und die aufragenden Berge kreierten eine tolle Kulisse.
Kurz darauf änderte sich die Landschaft komplett und ich kam in eine weite Ebene, die eher an eine raue Steppenlandschaft erinnerte. Die endlose Strecke zog an mir vorbei. Dabei merkte ich schnell, dass das Vorankommen im Wohnmobil ein ganz anderes ist als im Fullsize-SUV des letzten Jahres: Das Truck-Fahrgestell und der Alkoven-Aufbau fordern ihren Tribut. Jenseits der 65 Meilen pro Stunde (rund 104 km/h) wird der Camper spürbar laut – ich liess es also gemütlicher angehen.
Gegen 09:30 Uhr legte ich an einem Rastplatz nahe Ellensburg eine Pause ein und rief bei dem von mir ausgesuchten Campground an, um die Nacht abzusichern. Der ältere Herr am Telefon war unglaublich herzlich. Er erinnerte mich direkt an die Zeitverschiebung – da mir in Montana eine Stunde „verloren“ ging – und betonte, dass sie um 21:30 Uhr schliessen. Die Strecke sei schliesslich weit. Was soll ich sagen: Der Mann wusste genau, wovon er sprach, und ich sollte mich später am Tag noch dankbar an seine Worte erinnern.
Traumhafte Kulissen und ein Abstecher nach Coeur d’Alene
Unterwegs baute ich mehrere kleine Pausen ein, um die Beine auszustrecken. Am Viewpoint des Wild Horse Monument fuhr ich raus und genoss den weiten, beeindruckenden Ausblick über den mächtigen Columbia River. Auf Spokane verzichtete ich wegen meines straffen Zeitplans und passierte kurz darauf die Grenze nach Idaho.





Ein Zwischenstopp war jedoch absolute Pflicht: Coeur d’Alene! Die Stadt gilt völlig zu Recht als eine der zehn schönsten Kleinstädte Amerikas. Der Abstecher hat sich mehr als gelohnt. Der Ort ist unheimlich hübsch, idyllisch am See gelegen und versprüht eine wunderbare amerikanische Wohlfühlatmosphäre. Ich nutzte die Zeit für einen entspannten Spaziergang, schlenderte durch die kleinen, einladenden Läden und tankten frische Energie für die Weiterfahrt.






Kulinarische Überraschung im Nirgendwo
Danach wurde die Reise auf den letzten 200 Meilen noch einmal zu einer kleinen Ausdauerprüfung. Die Strecke zog sich durch waldiges Gebirge und weit und breit kam erst einmal gar nichts. Als sich langsam der Hunger bemerkbar machte, hielt ich schliesslich an einem kleinen Restaurant mitten im Nirgendwo.
Es war eine absolut urige, authentische Beiz, wie man sie sich im ländlichen Amerika vorstellt: Drinnen sassen ältere Herren mit langen Bärten beim Essen, die unverwechselbare Trump-Wahlwerbung zeigte genau, wo ich mich befand, und vor der Tür parkte eine stolze Parade von Pickups aus den letzten Jahrzehnten.
Ich bestellte mir eine Portion Pommes zum Mitnehmen und dachte dabei an die klassischen kleinen Papiertüten einer Fast-Food-Kette. Die Restaurantbetreiberin brachte mir stattdessen eine riesige, randvolle Warmhalteschale. Die Pommes waren fantastisch lecker – aber selbst mit grossem Hunger unmöglich allein zu schaffen!
Geschafft: Ankunft in Montana
Als schliesslich die Nacht einsetzte, begann es wieder heftig zu regnen, was das Fahren im Camper auf den kurvigen Bergstrassen nicht unbedingt leichter machte. Doch Punkt 21:00 Uhr erreichte ich glücklich den Campground in Missoula. Der nette ältere Herr vom Telefon hatte mich tatsächlich schon erwartet.
Nach den schnellen Formalitäten begleitete er mich im Regen zum Stellplatz. Strom und Wasser waren im Handumdrehen angeschlossen – und dann hiess es für mich nur noch: Füsse hochlegen, entspannen und den erfolgreichen Mammut-Roadtrip gebührend feiern.
Entfernung: Seattle – Missoula (783 km – 486 mi)
Übernachtung – Campground:

Square Dance Center and Campground in Lolo Creek
Kosten: $34 (30,55 €)
Dieser Campground ist in der Nähe Missoula. Wer Lust zum tanzen hat, kann dies hier auch. 🙂 Die Sites sind von Bäumen umgeben. Ein sehr ruhiger und beschaulicher Ort.
Empfehlung: ★★★★☆
hier kann man sehr gut übernachten 🙂


