Europa,  Nationalpark

Ausflug nach Den Helder

Mit Rückenwind an der Küste entlang: Der Tag beginnt mit strahlendem Sonnenschein und der perfekten Gelegenheit, die Umgebung auf zwei Rädern zu erkunden. Auf einem fantastisch ausgebauten Radweg führt die Route von Julianadorp immer an den Dünen entlang bis in die geschichtsträchtige Hafenstadt Den Helder. Neben maritimem Flair und holländischen Köstlichkeiten hält die Tour vor allem eine unbezahlbare Lektion über den berüchtigten Nordseewind bereit.

Kaffeeduft und die erste Radtour

Auch auf diesem Campingplatz wird Komfort grossgeschrieben: Der Brötchenservice funktioniert hier ganz unkompliziert über eine kurze WhatsApp-Nachricht am Vorabend. Pünktlich zur Frühstückszeit konnte ich die frische Bestellung abholen. Da mich der Morgen mit herrlichstem Sonnenschein begrüsste, baute ich den Campingtisch direkt draussen auf und frühstückte gemütlich vor dem Hugo. Ein schöner Nebeneffekt des Tages: Seit heute Morgen waren auch die sanitären Anlagen auf dem Platz offiziell wieder geöffnet, die sich als äusserst modern und absolut sauber entpuppten.

Nach dem Abspülen und dem schnellen Verräumen der Utensilien ging es direkt auf‘s Fahrrad. Mein Tagesziel lautete Den Helder. Ich wollte mir das Küstenstädtchen in Ruhe anschauen und den Ausflug gleich mit einem kleinen Einkauf verbinden.

Die Fahrradstrecke nach Den Helder ist ein absoluter Traum. Sie schlängelt sich auf einem hervorragend asphaltierten Weg sanft auf und ab direkt zwischen den Dünen und dem massiven Deich entlang. Ich kam gefühlt pfeilschnell voran. Das lag einerseits sicherlich daran, dass ich durch das regelmässige Radeln in der hügeligen Heimat bei uns zu Hause auf Meereshöhe nun gefühlt viel mehr Leistung abrufen konnte 🙂 – andererseits aber auch an einem ganz erheblichen Rückenwind, dessen wahre Kraft sich mir allerdings erst auf dem Rückweg offenbaren sollte.

Vorbei am „Langen Jaap“ in die Hafenstadt

Der Weg führte an mehreren malerischen Strandabgängen vorbei, an denen ich immer mal wieder kurz anhielt, um den freien Blick auf die tiefblaue Nordsee zu geniessen. Auf der Route passierte ich zudem das historische Fort Kijkduin und den markanten roten Leuchtturm von Huisduinen, der unter dem Spitznamen „Langer Jaap“ bekannt ist.

So erreichte ich im Nu den Hafen von Den Helder. Eigentlich hatte ich im Vorfeld mit dem Gedanken gespielt, spontan mit der Fähre auf die Nachbarinsel Texel überzusetzen. Da die Wettervorhersage für den späteren Nachmittag jedoch sehr durchwachsen und unbeständig aussah, verwarf ich den Plan lieber und rollte stattdessen direkt weiter in die Innenstadt.

Den Helder selbst ist zwar nicht besonders gross, bietet aber unheimlich nette, kleine Einkaufsstrassen. Ich schob das Fahrrad entspannt durch die Fussgängerzone und nutzte die Zeit zum Bummeln. In den gemütlichen Läden fand sich auch direkt die erste schöne Dekoration für den Hugo und für zu Hause. Zum Glück war der stabile Gepäckträger montiert – so liess sich alles wunderbar verstauen. 🙂

Maritime Geschichte und landestypische Leckereien

Nach der Shopping-Runde zog es mich weiter in das historische Hafenviertel Willemsoord. Hierbei handelt es sich um eine ehemalige, monumentale Werftanlage der königlichen niederländischen Marine. Heute ist das Areal wunderschön restauriert und beherbergt verschiedene Museen, Kinos und eine Vielzahl an ansprechenden Restaurants. Nach einem ausgiebigen Spaziergang entlang der alten Dockanlagen entschied ich mich, in einem der kleinen Lokale einen wohlverdienten Mittagssnack einzunehmen.

Die Wahl fiel auf das stilvolle Restaurant „Stoom“. Ich bestellte klassische, landestypische Delikatessen: ein fantastisch belegtes Brot mit frischem Lachs und knackigem Salat sowie die typisch holländischen Kroketjes. Einfach nur unheimlich lecker! Vor der Rückfahrt steuerte ich noch kurz einen Albert Heijn-Supermarkt an, um mich mit ein paar Kleinigkeiten einzudecken – eine eisgekühlte Flasche Chocomel durfte als süsse Stärkung natürlich nicht fehlen.

Der unbarmherzige Kampf gegen den Nordseewind

Auf dem Rückweg folgte schliesslich die sportliche Quittung für die rasante Hinfahrt: Der Wind war natürlich immer noch da, nur blies er mir nun unbarmherzig direkt ins Gesicht. Jetzt merkte ich erst, mit welch enormer Kraft die Brise über das flache Land fegte. Einerseits war ich dankbar, da der starke Wind offensichtlich die Regenwolken erfolgreich ferngehalten hatte, andererseits forderte mich das Strampeln gegen den unsichtbaren Widerstand jetzt so richtig heraus.

Trotz der Anstrengung kam ich gut voran. Da der Radweg auf dem ersten Teilstück zwischen Den Helder und dem Leuchtturm direkt oben auf der Küstenlinie verläuft, entschädigte der grandiose Ausblick auf das aufgewühlte Meer vollkommen für die brennenden Oberschenkel. Später, im Windschatten zwischen den Dünen und dem schützenden Deich, war der Gegenwind dann auch nicht mehr ganz so extrem zu spüren.

Die gesamte Strecke war unheimlich angenehm zu fahren, zumal die Anzahl der anderen Radler absolut überschaubar blieb. Viele Einheimische waren auf den typischen Hollandrädern unterwegs, auf denen man extrem aufrecht sitzt. Es war herrlich zu beobachten, wie sie völlig tiefenentspannt zu zweit nebeneinander herrollten und gemütlich plauderten, während ich mich gegen die Böen stemmte. Das Wetter hielt glücklicherweise durchgehend und bescherte feinsten Sonnenschein, der durch den kühlen Wind aber zu keiner Zeit zu heiss wurde.

Abendessen im Sonnenuntergang auf Stelzen

Zurück am Stellplatz verbrachte ich erst einmal etwas Zeit mit purem Chillen am Wohnmobil. Zum Abendessen lief ich noch einmal die paar Minuten vor zum Strand, um den Tag gebührend zu verabschieden. Der dortige Strandpavillon ist spektakulär auf hohen Stelzen direkt in die Dünen gebaut, wodurch man beim Essen eine noch schönere, ungestörte Aussicht auf das weite Meer hat.

Bei einem grandiosen Sonnenuntergang über dem Horizont genoss ich ein perfekt zubereitetes Thunfischsteak, einen frischen Gemüsewrap und knusprige Pommes. Dazu gab es noch einen spritzigen Aperol Sprizz. Schöner und entspannter kann ein Tag am Meer kaum zu Ende gehen. Später machte ich es mir noch lange vor dem Wohnmobil gemütlich und lauschte dem fernen Rauschen der Wellen.

Etappe: Radtour von Julianadorp nach Den Helder und zurück (ca. 30 km auf dem Fahrrad)

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