
Camping unter den Sternen in der Schweiz
Naturnah, idyllisch und ungestört: Vor zwei Wochen entdeckte ich im Netz eine geniale Plattform, über die man aussergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten in der Schweiz abseits der klassischen, oft überlaufenen Campingplätze buchen kann. Das Konzept verspricht naturnahe Stellplätze direkt im Grünen, oft in der Nähe von Bauernhöfen und landwirtschaftlichen Betrieben. Genau das, wonach ich gesucht hatte! Für das anstehende Wochenende buchte ich mich für zwei Nächte in Escholzmatt ein – mitten im Herzen der unberührten UNESCO Biosphäre Entlebuch. Schon die ersten Kontakte per E-Mail mit den Gastgebern waren unheimlich herzlich und steigerten die Vorfreude.
Flucht aus dem Homeoffice und eine enge Bahnunterführung
Die Kurzferien starteten am Freitagmittag. Nachdem am Vormittag noch die letzten beruflichen Aufgaben im Homeoffice erledigt waren, holte ich Hugo von seinem Stellplatz und verstaute das Gepäck in den Schränken. Beim Blick auf das Navigationssystem wurde schnell klar, dass die aktuelle Verkehrslage auf den Hauptachsen Geduld erfordern würde. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch – die Ferien beginnen schliesslich in dem Moment, in dem ich den Zündschlüssel des Campers umdrehe.
Da mein Startpunkt nahe der Grenze liegt, passierte ich im Nu die Schweizer Grenze und rollte in Richtung Winterthur und Zürich. Das Navi bewies echtes Timing und schlug frühzeitig eine Alternativroute vor: Kurz vor Winterthur ging es runter von der Autobahn, wodurch ich die grossen Nadelöhre und Baustellen der Region elegant umfahren konnte. Erst auf der Höhe des Gubristtunnels führte mich die Route zurück auf die Autobahn, wo der Verkehr nur kurzzeitig ins Stocken geriet.
Eine Stunde vor der geplanten Ankunft rief ich, wie im Vorfeld vereinbart, bei den Gastgebern an. Die Freude über mein Kommen war gross, und man bat mich, kurz direkt am Haupthof zu stoppen, damit mir der Weg zum eigentlichen Stellplatz gezeigt werden konnte.
Kurz vor dem Ziel startete Google Maps via CarPlay allerdings noch einen kleinen Orientierungstest. Das System neigt in ländlichen Gegenden manchmal dazu, stur den absolut kürzesten Weg zu wählen. Prompt lotste es mich in eine Strasse, die in einer extrem schmalen und niedrigen Bahnunterführung endete. Nach einem kurzen Blick auf die knappen Abmessungen war klar: Das wird mit Hugo nichts. Ich legte den Rückwärtsgang ein, setzte zurück auf die Hauptstrasse und nach wenigen Metern hatte das System die Route fehlerfrei neu berechnet.
Im ersten Gang durch die 180-Grad-Kehren
Hinter dem Haupthof wurden die Strassen von Minute zu Minute schmaler. Der asphaltierte Weg diente offensichtlich primär als Verbindung für die vereinzelten, weit verstreuten Berghöfe und war kaum breiter als der Camper selbst. Zum Glück flachte das Gelände zu Beginn noch etwas ab, und kleine Ausweichbuchten an den Hofzufahrten boten genug Raum für potenziellen Gegenverkehr.
Wenig später zog die Steigung massiv an, und die Strasse schlängelte sich steil den Berg hinauf. In den engen 180-Grad-Kehren musste ich den schweren Camper im ersten Gang um die Kurven manövrieren – Gegenverkehr hätte in diesen Momenten echte Millimeterarbeit bedeutet. An einer unübersichtlichen Gabelung zögerte ich kurz, entdeckte dann aber sofort die Gastgeberin, die mir vom höher gelegenen Hof aus bereits freundlich zuwinkte. Die Begrüssung war unheimlich herzlich. Sie erklärte mir kurz die wichtigsten Details und versprach, später noch einmal am Stellplatz vorbeizuschauen.
Ich fuhr die letzten Meter über einen Wiesenweg hinauf und traute meinen Augen kaum: Der Stellplatz war ein absoluter Traum! Nahezu eben stand Hugo mitten auf einer saftigen Bergwiese, umgeben von einem phänomenalen Weitblick ins Tal und direkt an eine weitläufige Kuhweide angrenzend.



Grillduft, neugieriges Publikum und eine „spooky“ Kuh
Kurz nach dem Einrichten kam die Gastgeberin wie versprochen vorbei und brachte eine grosszügige Ladung trockenes Brennholz für die hiesige Grill- und Feuerstelle mit. Neben wertvollen Ausflugstipps für die Region bot sie mir an, für den nächsten Morgen frische Backwaren direkt an den Camper zu bringen. Da ich für das Wochenende bereits ein frisches Brot an Bord hatte, bestellte ich vier kleine, traditionelle Zöpfli für das Frühstück.
Nachdem ich die Drohne für ein paar spektakuläre Luftaufnahmen über die Bergkulisse geschickt hatte, startete das Abendprogramm. Ich warf den Grill an, um saftige Rindersteaks zuzubereiten, zu denen es frischen Tomaten-Mozzarella-Salat und Brot geben sollte. Kaum stieg der erste herrliche Duft aus dem Grill auf, formierte sich am Zaun eine neugierige Zuschauergruppe: Die gesamte Kuhherde der Nachbarweide trottete geschlossen herbei und beobachtete mich mit grossen Augen beim Grillieren – als ob die Tiere ganz genau geahnt hätten, was da auf dem Rost lag. 🙂



Das Abendessen genoss ich direkt auf einer wunderschönen, massiven Holz-Sitzgruppe, die sichtlich in Handarbeit gefertigt wurde. Bei perfektem, lauem Sommerwetter, einem kühlen Glas Weisswein und dem Blick auf das friedliche Tal schmeckte das Essen einfach grandios.





Als die Sonne langsam hinter den Berggipfeln versank, entzündete ich ein kleines Lagerfeuer. Das Knistern der Flammen liess sofort die Erinnerungen an die unvergesslichen Campingerlebnisse im vergangenen Jahr in den USA wachwerden. Einzig eine äusserst skurrile Kuh sorgte für ein wenig Nervosität: Das Tier stellte sich direkt an den Zaun und schaffte es tatsächlich, mich fast zwei Stunden lang ununterbrochen anzustarren. Sie schnaufte schwer, frass keinen einzigen Halm und bewegte sich keinen Millimeter, während sie mich fixierte. Erst als es stockdunkel wurde, brach sie ihren intensiven Blickkontakt ab und widmete sich wieder der Wiese.
Die Milchstrasse über der Biosphäre
Als der Mond als schmale Sichel hinter dem Horizont verschwunden war, offenbarte sich die wahre Magie dieses Ortes. Aufgrund der beträchtlichen Höhe und der enormen Entfernung zu den grossen Städten gab es hier oben keinerlei Lichtverschmutzung. Der Sternenhimmel erstrahlte in einer Intensität, die mich sprachlos machte – selbst das Band der Milchstrasse war mit blossem Auge glasklar zu erkennen.
Ich liess das Lagerfeuer absichtlich langsam herunterbrennen, um die absolute Dunkelheit und das Funkeln über mir noch intensiver auf mich wirken zu lassen. Dank des klaren Augusthimmels flogen zudem unzählige Sternschnuppen über das Firmament, sodass ich mit dem Wünschen kaum hinterherkam. Ein absolut friedlicher und magischer Moment im Camper-Leben.
Etappe: Heimatort – Winterthur – Zürich – Entlebuch / Escholzmatt (ca. 150 km im Wohnmobil)




