
Kurztripp in die Schweiz – 5-SEEN-WANDERUNG
Alpine Kulisse und brennende Waden: Nach einer herrlich ruhigen Nacht weit oben über dem Zürichsee steht heute das sportliche Highlight dieses Wochenendes auf dem Plan: die weltberühmte 5-Seen-Wanderung am Pizol. Über elf Kilometer schlängelt sich der Panorama-Bergweg durch die hochalpine Bergwelt der Ostschweiz. Es ist eine Tour voller Extreme – von milchig-blauen Gletscherseen über steile Geröllpfade bis hin zur erfrischenden Premiere einer ganz besonderen Dusche direkt am Wohnmobil.
Früher Aufbruch und das Vignetten-Glück
Am Morgen klingelte der Wecker extra früh, damit der Tag optimal ausgenutzt werden konnte. Die Sonne stand bereits wieder strahlend am Himmel und kündigte ein hochsommerliches, heisses Bergwetter an. Ich machte fix das Frühstück fertig. Danach wurde Hugo im Handumdrehen wieder reisefähig gemacht: Die Auffahrkeile und Campingstühle verschwanden in der Heckgarage, und die Verdunklungsplisssees der Fahrerkabine wurden geöffnet. Pünktlich um 08:00 Uhr stand der Camper abfahrbereit auf dem Platz, und eine halbe Stunde später startete die gemeinsame Fahrt in Richtung Berge.
Da an Hugos Windschutzscheibe noch keine Schweizer Autobahnvignette klebte, ich für die Strecke nun aber einige Autobahnabschnitte nutzen wollte, stand zunächst ein kurzer Boxenstopp auf dem Zettel. Die Suche gestaltete sich unerwartet spannend: Die erste angesteuerte Tankstelle war komplett ausverkauft. Erst beim zweiten Anlauf hatte ich Glück und konnte das obligatorische Pickerl ergattern. Nach einer rund 1,5-stündigen, absolut entspannten Fahrt im Cockpit erreichte ich schliesslich den Wanderparkplatz.
Der Plan: Über 900 Höhenmeter bergab
Das Ziel des Tages war die klassische 5-Seen-Wanderung am Pizol – eine spektakuläre, 11,4 Kilometer lange Panorama-Bergwanderung durch die hochalpine Kulisse. Die reinen Fakten der Route versprachen ordentlich Bewegung: Rund 553 Höhenmeter im Aufstieg standen knackige 911 Höhenmeter im Abstieg gegenüber. Der Lohn für die Mühen: fünf kristallklare, völlig unterschiedliche Bergseen und eine grandiose Weitsicht über das Rheintal bis tief in die umgebende Bergwelt.
Auf dem Parkplatz fand ich auf Anhieb einen guten, grosszügigen Stellplatz für Hugo. Ich schlüpfte schnell in die Wandersachen, schnürte die Schuhe und machte mich auf den Weg zur Talstation der Pizolbahnen. Dank meines Halbtax-Abos kostete das Ticket stattliche, aber absolut lohnenswerte CHF 69.
Die Logistik am Berg ist perfekt organisiert: Das erste Teilstück schwebte ich gemütlich mit einer klassischen Gondelbahn auf rund 1.500 Meter Höhe. Von dort aus ging es nahtlos mit dem ersten Sessellift weiter hinauf auf etwa 1.850 Meter, bevor mich der letzte Sessellift schliesslich direkt an der Pizolhütte auf stolzen 2.220 Metern über dem Meeresspiegel absetzte.
Milchiges Blau und eine eisige Knie-Erfrischung
Direkt an der Hütte startete das alpine Wanderabenteuer. Auf dem ersten Teilstück zum Wildsee galt es, knackige 300 Höhenmeter am Stück zu überwinden. Der Pfad präsentierte sich an vielen Stellen recht schmal und zog sich über steinige, mit grobem Geröll übersäte Serpentinen. Durch das fabelhafte Sommerwochenende inmitten der Ferienzeit war auf den Wegen verständlicherweise einiges los.
Oben auf dem Grat angekommen, öffnete sich schlagartig der Blick auf den Wildsee. Es war ein absolut grandioses Bild: Dieser milchig-hellblaue Bergsee inmitten einer kargen, fast mondartigen Steinwüste. Vom eigentlichen Pizolgletscher war aufgrund des Sommers zwar nichts zu sehen, aber einige imposante Schneefelder trotzten der Hitze am Ufer. Nach einer kurzen Rast und ein paar Erinnerungsfotos ging es weiter.


Der Weg zum Schottensee führte über einen steinigen Pfad steil bergab zurück auf rund 2.350 Meter. Für mich war dieser Abschnitt der absolut schönste Teil der gesamten Tour – das Panorama über die schroffen Gipfel und das tiefe Blau des Wassers ist einfach unbezahlbar. Der alpine Wanderweg führt hier direkt am Seeufer entlang. Inspiriert von ein paar besonders abgehärteten Wanderern watete ich spontan in den eiskalten See hinein – allerdings war für mich aus purem Selbstschutz bereits auf Kniehöhe Endstation. Nach einer ausgiebigen Pause, einer Stärkung aus dem Rucksack und ein paar springenden Steinen auf der Wasseroberfläche wurde der Rucksack wieder geschultert.
Steinstapel, Kuhherden und brennende Muskeln
Der Weg zum Schwarzsee führte im Anschluss über den imposanten Schwarzplanggrat. Startete der Pfad zunächst noch recht flach und entspannt, wurde es bald wieder spürbar anstrengender. In engen Kehren schlängelte sich der Weg den Hang hinauf, bis der Grat auf 2.500 Metern erreicht war. Und prompt lag der nächste Augenschmaus vor mir: Der Schwarzsee schimmerte tief smaragdgrün im Kessel auf rund 2.380 Metern.






Es folgte das gewohnte Spiel: erst steil bergab zum Seeufer, um direkt im Anschluss den nächsten Gegenaufstieg in Angriff zu nehmen. Auf der markanten Bergspitze des Rossstals (2.456 m) angekommen, staunte ich nicht schlecht über unzählige, von Wanderern kunstvoll angelegte Steinstapel (Steinmännchen). Von dort aus führte die Route schliesslich hinab zum vierten Gewässer, dem idyllischen Baschalvasee. Rund um diesen See hatte es sich eine riesige Kuhherde gemütlich gemacht, die seelenruhig graste, während sich der Wanderweg mitten durch die Tiere und vorbei an so manchem frischen Kuhfladen schlängelte.







Der letzte Abschnitt zurück zur Bergstation zog sich gut eine Stunde lang gnadenlos steil den Berg hinab. Wie so oft auf alpinen Touren merkte ich auch dieses Mal, wie unheimlich anstrengend diese langen Abstiege am Ende des Tages für die Gelenke und Knochen sind. Die Kräfte liessen langsam nach, und die Oberschenkelmuskulatur gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass hier in Zukunft noch einiges an Trainingspotenzial vorhanden ist. Punkt 16:15 Uhr – exakt 15 Minuten vor dem täglichen Betriebsschluss der Sesselbahn – erreichte ich müde, aber glücklich die Station auf 1.860 Metern und schwebte tiefenentspannt zurück ins Tal.
Die Premiere der Aussendusche und ab nach Hause
Am Parkplatz angekommen, wartete Hugo bereits in der Sonne. Es war ein unbeschreiblich gutes Gefühl, endlich die schweren Wanderschuhe auszuziehen. Um den Staub und den Schweiss des Tages loszuwerden, stand nun ein ganz besonderer Test an: die offizielle Premiere der bordeigenen Aussendusche!
Hugo verfügt über einen genialen Aussenanschluss in der Seitenwand, an den man mit einem Klick einen vollwertigen Duschkopf samt Schlauch andocken kann. Ich nutzte die Gelegenheit direkt auf dem Parkplatz und brauste mir Kopf, Oberkörper und Beine gründlich mit kühlem Wasser ab. Was für eine phänomenale Erfrischung mitten in der Natur!
Vollständig regeneriert und frisch angezogen trat ich anschliessend die Rückreise an. Dank der am Morgen aufgeklebten Autobahnvignette ging es auf direktem Weg via St. Gallen und Schaffhausen über die Schweizer Autobahnen zurück nach Hause. Nach knapp zwei Stunden Fahrt parkte der Camper wieder an seinem Platz – das perfekte Ende für ein intensives, kontrastreiches Wochenende.
Etappe: Pizol – St. Gallen – Schaffhausen – Heimatort (ca. 145 km im Wohnmobil)




