Europa,  Roadtrip

Über den Markerwaarddijk nach Julianadorp in Nordholland

Grenzübertritt und Deich-Abenteuer: Die erste Nacht im eigenen Reich ist geschafft! Frisch erholt startet das nächste Kapitel des Roadtrips, das mich von den Höhen des Rheins mitten durch das Ruhrgebiet und schliesslich über einen monumentalen, 28 Kilometer langen Nordseedeich führt. Am Ziel in Julianadorp angekommen, wartet nicht nur die erste echte Meeresbrise, sondern auch die offizielle Einweihung der bordeigenen Dusche in meinem Hugo.

Das erste Mal Servicebereich: Kein Grund zur Sorge

Die allererste Nacht im eigenen Reisemobil auf einem regulären Campingplatz war ein voller Erfolg. Die neuen Matratzen haben sich als absolut fantastisch erwiesen – ich hatte mehr als genug Platz und die Verdunklung der Fenster hat prima geklappt. Am Anfang waren die Stimmen aus der Nachbarschaft zwar noch etwas ungewohnt, aber mit ein paar Ohrstöpseln fiel das Einschlafen letztlich ganz leicht.

Da ich am Vorabend frische Brötchen bestellt hatte, joggte ich morgens kurz zum Kiosk und schon war alles bereit für das erste autarke Frühstück. Weil der Tag ziemlich trüb startete, blieb ich im Camper: Kühlschrank auf und Butter, Käse, Marmelade sowie Milch standen im Nu auf dem Tisch. Auf dem Gaskochfeld wurde fix Wasser erhitzt, und die French Press (übrigens exakt jene, die ich im Vorjahr bei meinem Roadtrip in den USA gekauft hatte) zauberte einen hervorragenden Kaffee. Das ist einfach das Geniale am Wohnmobil-Leben.

Nach dem Frühstück wurde alles sicher verstaut und Hugo abfahrbereit gemacht. Und dann stand sie an: die absolute Feuertaufe für jeden Camper-Neuling – das erste Mal die Kassettentoilette entleeren. Ich rollte hinüber zum Servicebereich, und im Nachhinein muss ich sagen: Es war überhaupt nicht schlimm. Kassette rausziehen, den Ausleerstutzen hochklappen, Verschluss öffnen und entleeren. Am Ende noch einmal gründlich ausspülen, frische Sanitärchemie rein und fertig. Für das Grauwasser ging es im Anschluss über den grossen Bodeneinlass, Schieber auf und das Abwasser lief ab. Frischwasser hatte ich bereits direkt an der Parzelle nachgetankt.

Rhein-Blick von der Festung Ehrenbreitstein

Bevor ich Koblenz endgültig den Rücken kehrte, folgte ich einer Empfehlung vom Vortag und fuhr hinauf zur historischen Festung Ehrenbreitstein, um den vielgerühmten Ausblick über die Stadt und den Fluss zu geniessen. Das Wetter zeigte sich oben auf dem Plateau extrem ungemütlich – es war windig, wolkenverhangen und nieselte leicht vor sich hin.

Ich fand zwar schnell einen Parkplatz, allerdings waren die Gebühren für einen reinen Kurzaufenthalt ohne Museumsbesuch doch ziemlich gesalzen. Ich spazierte dennoch durch die Parkanlage zur modernen Holzkonstruktion der „Aussichtsplattform Rhein-Mosel-Blick“. Von dort oben bot sich ein gewaltiges Panorama über das Rheintal. Das Deutsche Eck war wunderbar zu erkennen, nur die eigentliche Moselmündung versteckte sich hinter einem mächtigen Laubbaum. Nach zehn Minuten im frischen Wind kehrte ich zum Auto zurück und startete die Hauptetappe in Richtung Niederlande.

Stauchaos im Ruhrgebiet und freie Fahrt in Holland

Kurz vor der Autobahnauffahrt steuerte ich noch eine Tankstelle an, um den Dieseltank komplett vollzumachen – bei einem unschlagbaren Literpreis von glatt 1,00 € muss man die Gelegenheit einfach nutzen. Im Schnitt genehmigt sich Hugo übrigens knapp unter 10 Liter auf 100 Kilometer, was ich für ein vollbeladenes Fahrzeug dieser Grösse absolut akzeptabel finde.

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, die grossen Ballungsräume in Nordrhein-Westfalen weiträumig zu umfahren. Irgendwo hat mich das Navigationssystem zur vermeintlichen „Stauumfahrung“ jedoch falsch abbiegen lassen und prompt fand ich mich mitten im dichten Berufs- und Rückreiseverkehr des Ruhrgebiets wieder. Es ging bei intensivem Starkregen nur sehr zäh voran. Umso erleichterter war ich, als das Ruhrgebiet endlich hinter mir lag, der Verkehr spürbar abnahm und das Fahren wieder richtig entspannt wurde.

Kurz darauf passierte ich die Grenze zu den Niederlanden. Während sich auf der Gegenseite die Pfingsturlauber aufgrund von Baustellen und Unfällen kilometerweit Stossstange an Stossstange zurück nach Deutschland stauten, hatte ich auf meiner Spur absolute Top-Bedingungen und kam zügig voran.

Ein 28-Kilometer-Ritt über den Deich: Der Markerwaarddijk

Für die Route hinauf nach Julianadorp in Nordholland gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich entschied mich ganz bewusst für die spektakuläre Variante via Lelystad über den Markerwaarddijk. Kurz vor der Auffahrt auf diesen monumentalen Deich legte ich an den dortigen Schleusenanlagen einen kurzen Stopp auf einem kleinen Parkplatz ein, um einen Blick auf die berühmte, riesige Skulptur des „Hockenden Mannes“ (Exposure) zu werfen. Aufgrund des trüben Wetters war die Fernsicht über das Wasser allerdings stark eingeschränkt, sodass ich bald weiterrollte.

Die Fahrt über den 28 Kilometer langen Deich, der das IJsselmeer vom Markermeer trennt, ist unheimlich imposant. Trotz des herbstlichen Seitenwindes lag Hugo dank seiner stabilen Strassenlage absolut ruhig auf dem Asphalt und das Dahingleiten inmitten der Wassermassen war ein echtes Erlebnis.

Strandspaziergang und die erste Dusche an Bord

Am späten Nachmittag erreichte ich schliesslich den Campingplatz in Julianadorp. Da die Rezeption zu dieser Uhrzeit nicht mehr besetzt war, genügte ein kurzer Anruf unter der ausgehängten Telefonnummer: Ich bekam die wichtigsten Infos durchgegeben und wie von Geisterhand öffnete sich die Schranke – der Platz nutzt ein modernes System mit automatischer Kennzeichenerkennung.

Da noch sehr wenige Wohnmobile vor Ort waren, hatte ich die freie Auswahl und suchte mir eine schöne, geräumige Parzelle im Grünen aus. Nachdem Hugo perfekt ausgerichtet war, hielt mich nichts mehr auf: Ich machte mich auf den Weg zum Strand, der nur etwa zehn Gehminuten vom Stellplatz entfernt liegt. Der Regen hatte sich zum Glück verzogen, auch wenn der Himmel noch in tiefes Grau getaucht war. Die salzige Seeluft tat nach der langen Fahrt unglaublich gut.

Da an diesem Wochenende die gemeinschaftlichen Sanitäranlagen der niederländischen Campingplätze aufgrund der Corona-Auflagen offiziell noch bis zum nächsten Tag geschlossen bleiben mussten, bot sich die perfekte Gelegenheit für einen weiteren Härtetest: Die bordeigene Dusche im Hugo wurde feierlich eingeweiht für absolut gut befunden. Das Wassersystem funktioniert tadellos.

Da es trotz der Wolken angenehm warm war, baute ich am Abend den Campingstuhl auf und warf den Grill vor dem Wohnmobil an. Bei leckerem Hähnchen, frischem Salat und einem wohlverdienten Camper-Bierchen liess ich den ereignisreichen Tag entspannt ausklingen – voller Vorfreude auf das erste echte holländische Meeresrauschen am nächsten Morgen.

Etappe: Koblenz – Ruhrgebiet – Lelystad – Markerwaarddijk – Julianadorp (ca. 490 km)

Übernachtung – Campground:

Campingplatz „Noorder Sandt“

60,00 € für 3 Nächte

Der Campingplatz ist sehr schön. Man steht auf der Wiese und genug Platz. Wir hatten einen 100m2-Komfortplatz Platz mit Wasser, Abwasser und Strom. Der Campingplatz ist kurz hinter den Dünen und man kommt schnell an den Strand. Ausserdem kann man auf den Radwegen tolle Touren starten.

Website des Betreibers

Empfehlung: ★★★★★ Wir würden hier jederzeit wieder übernachten. Lage, Preis und Leistungen sind super.

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