
USA Nordwesten: Bandon State Natural Area und die endlosen Wälder Oregons
Der wilde Pazifik ruft: Nach den Tagen in den Bergen und am Krater zieht es mich heute endlich an die legendäre Oregon Coast. Die Fahrt dorthin entpuppt sich als ein intensiver Roadtrip durch schier endlose, menschenleere Wälder und das urige amerikanische Hinterland. In Bandon angekommen, zeigt der Pazifik sofort sein ungezähmtes, raues Gesicht – inklusive einer stürmischen Brise, spektakulären Felsformationen und einer skurrilen logistischen Besonderheit, die es so wohl nur in den USA gibt.
Dichter als der Schwarzwald: Oregons grüne Lunge
Nach dem Frühstück und der morgendlichen Routine am Abwassertank („Dumpen“) ging es für mich endlich los. Mein klares Tagesziel war die raue Oregon Coast. Als feste Destination hatte ich mir die spektakuläre Gegend rund um Bandon ausgesucht, da der dortige Strand für seine markanten, freistehenden Felsnadeln im Wasser und das tonnenweise angeschwemmte Treibholz weltberühmt ist.
Die Anreise war ein echtes Erlebnis für sich. Ich steuerte den Camper über die OR-62, OR-227, ein kurzes Stück über die I-5 und schliesslich über die OR-42 immer weiter Richtung Westen. Die Strassen schnitten sich wie grüne Schneisen durch gigantische, dichte Wälder. Ich musste unwillkürlich schmunzeln: Dagegen ist unser heimischer Schwarzwald fast gar nichts! Hier gibt es einfach unendlich viel Wald, und auf den engen Strassen kam mir stundenlang so gut wie kein einziges anderes Fahrzeug entgegen. Die Kulisse war unglaublich eindrucksvoll.
Leider begleitete mich auf der Fahrt ein treuer, anhaltender Regen, weshalb ich auf größere Zwischenstopps im Wald verzichtete – auch, weil das Parken mit einem grossen Wohnmobil auf den schmalen Waldwegen ohnehin kaum machbar ist. Die meiste Zeit verbrachte ich komplett offline. Diese tiefen, menschenleeren Regionen gehören ganz offensichtlich zu den berüchtigten Flecken ohne jegliche Netzabdeckung.
Ganz einsam ist es dort allerdings nicht: Entlang der Highways blitzen immer wieder lange Einfahrten mit verwitterten Briefkästen im Unterholz auf. Dahinter verbergen sich mitten im Nirgendwo teils marode Holzhäuser. In dieser Gegend scheinen viele Aussteiger oder Menschen zu leben, die ganz bewusst die absolute Einfachheit und Isolation suchen. Besonders auffällig waren die vielen Schilder an den Zäunen, die stolz verkündeten, dass hier Kriegsveteranen wohnen. Bis zur nächsten grösseren Stadt fährt man von hier aus locker zwei Stunden. Aber wenn man den Wald liebt und sich komplett selbst versorgt – warum eigentlich nicht?
First-Come, First-Served am Bullards Beach
Bevor es an die Küste ging, legte ich einen schnellen Boxenstopp bei einem Walmart ein, um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen und mich bei Subway zu stärken. Spontan hatte ich mich entschieden, auf dem Campground des Bullards Beach State Park zu übernachten. Eine Online-Reservierung war am Mittag für denselben Tag leider nicht mehr möglich und auch der telefonische Versuch scheiterte, da man dort mindestens einen Tag im Voraus anrufen muss.
Die freundliche Dame am Telefon beruhigte mich jedoch und versicherte mir, dass es auf dem riesigen Areal mehr als genug First-Come, First-Served-Plätze gäbe. Also fuhr ich auf gut Glück direkt zum Campground. Vor Ort hiess es erst einmal: hinten anstellen in der Anmeldeschlange. Die vier Camper vor mir brauchten gute 15 Minuten, bis sie ihre Plätze hatten, aber das Warten lohnte sich. Ich ergatterte einen wunderschönen, idyllischen kleinen Stellplatz im Schutz der Bäume.
Der Pazifik in seiner wildesten Pracht
In der Zwischenzeit hatte sich das Wetter glücklicherweise komplett gedreht: Die Wolkendecke riss auf und die Sonne kam zum Vorschein. Ich fackelte nicht lange und steuerte die verschiedenen Aussichtspunkte rund um das direkt benachbarte Bandon an. Ein heftiger, anlandender Sturm rüttelte und schüttelte das hohe Wohnmobil auf den Klippen ordentlich durch. Doch mit den winddichten Outdoor-Klamotten war das überhaupt kein Problem – und so zog es mich für einen ausgiebigen Spaziergang hinunter an den Strand.
Die Szenerie war absolut atemberaubend: Die markanten, schwarzen Felsnadeln ragten majestätisch aus der aufgewühlten Brandung empor, das Meer tobte, und der Strand war übersät mit riesigen, silbergrau gebleichten Baumstämmen, die als Treibgut hier gestrandet waren. Überall kreisten Seevögel im Wind. Ein genialer Anblick!





Binnen weniger Minuten waren meine Brille und das Kameraobjektiv mit einer feinen, salzigen Schicht aus Gischt und Sand überzogen, die der Sturm unbarmherzig vor sich hergibt – aber das gehörte zu diesem rauen Küstenerlebnis einfach dazu. An einigen Stellen leuchtete der Pazifik in einem tiefen, intensiven Blau auf, sobald die Sonnenstrahlen das Wasser trafen. Auf einer kleinen Holzbank auf halber Höhe des Strandaufganges machte ich es mir eine Weile gemütlich und genoss einfach nur diesen gewaltigen Moment.
Skurrile Gesetze: Tanken in Oregon
Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich noch den Tank des Campers auffüllen, stellte jedoch fest, dass es an keiner einzigen Tankstelle den gewohnten Self-Service gab. Ein schneller Blick ins Internet brachte eine amüsante Erklärung ans Licht:
In Oregon gibt es tatsächlich ein Gesetz, das es Autofahrern strikt verbietet, selbstständig den Tankrüssel zu bedienen! Das Ganze gilt offiziell als zu gefährlich für Laien. Ich musste schallend lachen – leben wir in Europa eigentlich permanent am Limit, weil wir unser Benzin selbst zapfen? Zwar gab es wohl schon politische Initiativen, dieses leicht kuriose Gesetz zu kippen (vor allem für kleinere Ortschaften), in der Praxis wird das selbstständige Tanken aber kaum angewendet, weil die Menschen es schlicht nie gelernt haben. Ja, die USA haben doch immer wieder wunderbare, skurrile Eigenheiten parat!
Nachdem ich dieses neue Wissen verdaut hatte, beschloss ich, den Tankstopp entspannt auf den nächsten Tag zu verschieben, mich der heldenhaften Hilfe der Tankwarte zu bedienen und dafür auch den spürbar höheren Gallonenpreis im Staat Oregon in Kauf zu nehmen.


Zum Abschluss des Tages stattete ich dem historischen, nahegelegenen Leuchtturm (Coquille River Lighthouse) direkt am Flussufer noch einen Besuch ab, bevor ich den ereignisreichen Roadtrip-Tag tiefenentspannt und glücklich im kuschligen Camper ausklingen liess.
Entfernung: Joseph H. Stewart State Park – Bullards Beach / Bandon (253 km – 157 mi)
Übernachtung – Campground:
Bullards Beach State Park
$29 (26 €)
Dieser Campground ist im besagten State Park. Er ist super dicht am Meer und bietet abgeschirmte Parzellen. Jeder Parzelle ist mit Strom und Wasser. Einige sogar mit Sewer. Der obligatorische Grill und die Feuerstelle fehlen natürlich auch nicht. Mir hat der Platz sehr gut gefallen. Vor dem starken, stürmischen Wetter, welches von der See an Land ging, schützte der Platz ebenfalls.
Empfehlung: ★★★★★
Jederzeit wieder! 🙂


