
USA Nordwesten: Der Yellowstone National Park
Das grosse Highlight der Reise ist da: Endlich erreiche ich den legendären Yellowstone-Nationalpark! Der Tag beginnt mit einer perfekten Camping-Routine und einem wunderbar authentischen Frühstück im Nirgendwo, bevor es hinter dem historischen Roosevelt Arch Schlag auf Schlag geht. Gewaltige Canyons, dampfende Quellen und die ersten hautnahen, tief beeindruckenden Begegnungen mit Bisons in freier Wildbahn machen diesen Tag trotz herbstlicher Kälte absolut unvergesslich.
Meine morgendliche Camping-Routine
Der Morgen startete wie gewohnt mit dem Rückbau der Anschlüsse auf dem Campingplatz. So langsam hatte ich hier eine richtige Routine entwickelt: Erst das Wasser schliessen, dann die Hähne entleeren, damit der Druck abgebaut ist, um anschliessend die Verbindung zum „City-Water“ zu lösen. Danach werden die Tanks für Schwarzwasser und Grauwasser entleert und der Abflussschlauch abgekoppelt. Am Ende noch das Stromkabel verstauen – und schon war ich komplett abfahrbereit.
Eigentlich war ein kleines Frühstückslokal ganz in der Nähe des Campgrounds eingeplant, das sich vor Ort jedoch als geschlossen herauspuppte – es sollte erst am nächsten Tag wieder öffnen. Sehr schade. Da direkt daneben eine Tankstelle lag, nutzte ich die Zeit, um den Tank des Campers wieder vollzumachen, während ich gleichzeitig nach einer alternativen Frühstücksoption Ausschau hielt. Ein neuer Plan war glücklicherweise schnell gefunden.
Karohemden und ein echtes Ranch-Frühstück
Der Weg führte mich ein kleines Stück abseits der Hauptroute, rund 15 Minuten entfernt, in das winzige Örtchen Pray. Das dortige Café war wirklich sehr klein. Ich war mir anfangs gar nicht sicher, ob überhaupt noch ein Platz frei sein würde, da vor dem Häuschen bereits an die 13 typisch amerikanische Pickups parkten. Sogar der Hund der Besitzer lief schon aufgeregt um mein Wohnmobil herum und war sichtlich neugierig, wer da wohl vorbeischaut.
Beim Eintreten wurde ich unglaublich freundlich begrüsst, und ein freier Tisch fand sich tatsächlich auch noch. Die restlichen Gäste schienen ausnahmslos Einheimische aus der Gegend zu sein, die sich angeregt unterhielten. Da ich an diesem Tag passenderweise ein Karohemd trug, fiel ich unter den Locals optisch überhaupt nicht auf.
Die Bedienung – eine ältere, sehr herzliche Dame – war zwar nicht mehr ganz so routiniert, weshalb es anfangs etwas zögerlich voranging, aber das Frühstück selbst war fantastisch. Es gab ein deftiges Ranch-Frühstück und einen Frühstücksburrito, dazu frische Pancakes und eine Zimtschnecke. Auch wenn der Aufenthalt insgesamt etwas länger dauerte als gedacht, konnte ich die Reise anschliessend absolut satt und zufrieden fortsetzen.
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Der Yellowstone National Park – Einzug durch den Roosevelt Arch


Mein erklärtes Ziel war es, den Yellowstone-Nationalpark über den nördlichen Eingang in Gardiner zu betreten, wo auch der historische Roosevelt Arch steht. Kleiner Tipp für Nachreisende: Der Torbogen liegt leicht versetzt neben der Hauptstrasse, man muss also kurz abbiegen, um ihn zu bewundern. Ich war so wagemutig, mit dem grossen Wohnmobil direkt durch das steinerne Tor zu fahren, und hielt diesen coolen Moment in einem kleinen Video fest. 🙂
Vom Eingang aus führt die Strasse automatisch nach Mammoth Hot Springs. Ich fand schnell einen Parkplatz und stiess auch prompt auf die allerersten Tiere im Nationalpark: Eine Gruppe Wapitis (Elks) graste in aller Seelenruhe direkt vor den Gebäuden – völlig unbeeindruckt von den Besuchern. Zwischendurch wechselten sie völlig tiefenentspannt zwischen den parkenden Autos hindurch die Wiese. Bei leichtem Regen erkundete ich die beeindruckenden Sinterterrassen der Mammoth Hot Springs und den kleinen Ort.





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Gänsehaut im Lamar Valley: Meine ersten Bisons
Danach zog es mich weiter in das weitläufige Lamar Valley. Und genau dort passierte es… direkt neben meiner Haltebucht standen sie: meine ersten Bisons in freier Wildbahn! Es war ein unbeschreiblicher, absolut faszinierender Moment. Voller Spannung beobachtete ich diese gewaltigen, urzeitlich wirkenden Tiere. Als einer der mächtigen Bullen dann auch noch direkt auf den Camper zukam, flösste mir das ordentlich Respekt ein und ich zog mich für die weiteren Fotos lieber sicherheitshalber in den Innenraum des Wohnmobils zurück. 😉

Auf der weiteren Fahrt folgten noch zahlreiche verschiedene Bisonherden. Als ich mich schliesslich auf den Rückweg machte, um als nächstes den Grand Canyon of the Yellowstone anzusteuern, hatte ich das riesige Glück, dass mehrere Bisons unmittelbar vor meinem Wagen die Strasse überquerten. Wahnsinn!



Am Grand Canyon angekommen, ergab sich noch ein netter kleiner Smalltalk mit einem älteren Pärchen, das sich brennend für mein Wohnmobil interessierte. Danach genoss ich einfach nur noch den spektakulären Blick auf den tiefen Canyon und den tosenden Wasserfall.


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Eine Festung aus Decken gegen die Kälte
Zum Ende des Tages steuerte ich den Bridge Bay Campground an. Dieser Campingplatz hat, wie fast alle Campgrounds direkt im Yellowstone, keinerlei Anschlüsse für Strom und Wasser („Dry Camping“). Da der Abend extrem kalt und regnerisch wurde, liess ich vor den Ruhezeiten den Generator laufen (der bei meinem Miet-Camper zum Glück komplett im Preis enthalten war und mich nur den verbrauchten Sprit kostete), um die Heizung auf Hochtouren laufen zu lassen und den Innenraum aufzuwärmen.
Nach dem Abendessen baute ich mir im Bett eine regelrechte Festung aus den dicken Decken und legte mich schlafen. Da auf dem Platz zwischen 20:00 Uhr abends und 08:00 Uhr morgens strikte Ruhestunden gelten, in denen kein Generator laufen darf, beschloss ich kurzerhand, am nächsten Morgen direkt nach dem Aufwachen aufzubrechen, um den Camper bei der Fahrt aufzuwärmen.
(hier ein kleiner rückblickender Hinweis: Es war eigentlich absolut nicht nötig zu frieren. Den die Gasheizung läuft natürlich auch ohne Landstrom. Aber ich hatte ja keine Erfahrungen und dachte, es sei eine elektrische Heizung.)




Entfernung: ca. 260 km – 160 mi
Übernachtung – Campground:
Bridge Bay Campground
Kosten: $28,92 (26,20 €)
Dieser Campground bietet ausschliesslich den Stellplatz. Leistungen wie Strom, Wasser, Abfluss (Sewer) werden nicht angeboten. Im Yellowstone gab es bis 2020 nur den Fishing Bridge Campground mit den Komfortmerkmalen (und dieser war 2019/2020 auf Grund Bauarbeiten nicht verfügbar).
Empfehlung: ★☆☆☆☆
Ich würde hier nicht noch einmal übernachten. Dies vor allem, weil mir das Ambiente im B-Loop nicht gefallen hat. Es gab keine Bäume und auch sonst war es eher trostlos. ABER der Preis ist unschlagbar. Die WC und Duschen sind gut.


