Amerika,  National Park

USA Nordwesten: Aufenthalt im Yellowstone NP

Der Ritt auf dem Vulkan geht weiter: Mein zweiter Tag im Yellowstone-Nationalpark führt mich mitten hinein in eine Welt voller dampfender Geysire, blubbernder Schlammtöpfe und unwirklicher Farben. Dass das Wetter im herbstlichen Montana unbeständig ist, erweist sich heute Fluch und Segen zugleich. Doch mit etwas Geduld, Hartnäckigkeit und dem richtigen Timing wird dieser Tag zu einem absoluten Paradebeispiel dafür, warum sich Hartnäckigkeit auf einem Roadtrip immer auszahlt.

.

Ein nebliger Start am Yellowstone Lake

Gegen 6 Uhr war die Nacht vorbei – ich war zumindest schon richtig wach. Das Wohnmobil war, wie nach der eiskalten Nacht ohne Stromanschluss zu erwarten, komplett ausgekühlt. Um die Batterien zu schonen und den Innenraum schnell warm zu bekommen, fackelte ich nicht lange: Ich startete den Motor und fuhr direkt vom Campground los. (hier ein kleiner rückblickender Hinweis: Es war eigentlich absolut nicht nötig zu frieren. Den die Gasheizung läuft natürlich auch ohne Landstrom. Aber ich hatte ja keine Erfahrungen und dachte, es sei eine elektrische Heizung.)

Schon nach kurzer Zeit fand ich eine fantastische Parkbucht direkt am Ufer des riesigen Yellowstone Lake. Hier startete ich den Generator und die Heizung. Nach 20 Minuten war die Temperatur im Camper wieder im grünen Bereich, und nach 40 Minuten war es drinnen kuschlig warm. Mit einem spektakulären Blick auf den See, über dem mystische Nebelschwaden im fahlen Morgenlicht aufstiegen, startete ich entspannt in den Tag. Für das eigentliche Frühstück hatte ich mir allerdings das Hayden Valley ausgesucht – in der Hoffnung, dort noch etwas Wildlife beobachten zu können.

Nachdem ich im Tal einen schönen Platz gefunden hatte, genoss ich mein Frühstück im Warmen. Der Plan ging voll auf: In der Ferne konnte ich grosse Bisonherden beobachten, die gemächlich ins Tal hineinwanderten.

.

Farbenpracht im Norris-Geysir-Becken

Vom Hayden Valley aus steuerte ich das faszinierende Norris-Geysir-Becken an und lief den Rundkurs im Porcelain Basin. Entlang eines gut angelegten Holzstegs eröffnet sich hier eine völlig unwirkliche Landschaft aus Geysiren, heissen Quellen und zischenden Fumarolen.

Absolut überwältigend sind die farbigen Bakterienablagerungen im hellen Untergrund. Sie strahlen in den verschiedensten Farbtönen – je nachdem, welche extreme Hitze an dem jeweiligen Fleck herrscht. Ich hatte im Vorfeld schon einiges darüber gelesen, aber wenn man es mit eigenen Augen sieht, ist dieses Naturschauspiel einfach extrem schön und faszinierend. 

Da es immer noch recht kühl war und es zudem leicht regnete, verzichtete ich darauf, auch noch den zweiten Rundkurs durch das Back Basin vollständig abzulaufen. Ich ging lediglich bis zum ersten Geysir, wo ich das Glück hatte, direkt eine Eruption live miterleben zu können. Zudem zog mich ein Heisswasserbecken in seinen Bann, das in den tiefsten, wunderschönsten Blautönen schimmerte. 

.

Grand Prismatic Spring – Enttäuschung im Dampf (Teil 1)

Etwas durchgefroren stieg ich wieder in meinen warmen Camper und fuhr weiter in Richtung der berühmten Grand Prismatic Spring. Auf dem Weg passiert man unzählige kleinere Geysirfelder. Man merkt hier auf Schritt und Tritt, dass die gesamte Region unter massiven geothermischen Auswirkungen steht. Es fühlt sich tatsächlich an wie der sprichwörtliche Ritt auf dem Vulkan…

An der Grand Prismatic Spring angekommen, brauchte es erst einmal eine gehörige Portion Geduld, bis ich einen Parkplatz ergatterte. Als ich dann endlich auf dem Holzsteg direkt an der Quelle stand, folgte die Enttäuschung: Durch den Regen und die Kälte lag ein extrem dichter Wasserdampfnebel über den heissen Wasserflächen. Man sah kaum die Hand vor Augen. Zudem ist es nahezu unmöglich, die wahre Dimension und Schönheit dieser riesigen, farbigen Quelle wahrzunehmen, wenn man sich lediglich auf Bodenhöhe befindet. Etwas oberhalb am Berghang entdeckte ich einen Aussichtspunkt – der Overlook war von dieser Seite aus jedoch nicht zu erreichen. Leicht frustriert und enttäuscht zog ich erst einmal wieder ab.

.

Old Faithful und die Souvenir-Jagd

Weiter ging die Fahrt zum berühmten Old Faithful, dem wohl bekanntesten Geysir der Welt. Auf dem Weg dorthin passierte ich einen Wanderparkplatz, von dem aus vermutlich der Weg zu besagtem Aussichtspunkt über die Grand Prismatic Spring führte. Allerdings war dieser Parkplatz strikt für Wohnmobile gesperrt, und an der Hauptstrasse war jede einzelne Bucht belegt. Also blieb mir nichts anderes übrig, als erst einmal weiterzufahren.

Beim Old Faithful war erwartungsgemäss enorm viel los. Der Parkplatz dort ist jedoch so gigantisch gross, dass ich nach einigem Suchen einen guten Stellplatz für den Camper fand. Von dort aus lief ich zur berühmten, historischen Lodge. Da die Ausbrüche des Geysirs extrem präzise vorhersehbar sind, gab es im Besucherzentrum eine genaue Uhrzeit für die nächste Eruption. Die Wartezeit nutzte ich, um mich in der rustikalen Lodge aufzuwärmen und das geschäftige Treiben der Besucher zu beobachten.

Kurz vor dem Termin strömten die Menschenmassen nach draussen. Die Eruption war zweifellos gewaltig, aber ehrlich gesagt im Rückblick auch nicht ganz so überragend, wie man es von den Postkarten her erwartet. Vielleicht lag es am trüben Wetter oder schlicht an den vielen anderen, spektakulären Naturschauspielen, die ich heute schon gesehen hatte.

Punktgenau mit dem Ende des Ausbruchs setzte starker Regen ein. Ich flüchtete mich in eine der Lodges und stöberte ausgiebig im Souvenirshop. Dabei fielen mir ein paar wunderschöne Kaffeebecher mit tollen Yellowstone-Motiven in die Hände – die perfekte Ausstattung für das eigene Wohnmobil, das ich mir für die Zukunft fest vorgenommen habe. Als ich schliesslich zum Parkplatz zurückkehrte, war dieser wie leergefegt. Fast alle Pkw waren weg, nur noch einige Wohnmobile standen verstreut auf dem Asphalt. Der Regen und die fortgeschrittene Uhrzeit hatten den Park regelrecht leergespült. 🙂

.

Das späte Glück am Overlook (Teil 2)

Auf dem Rückweg zum Campground passierte ich nun noch einmal den Parkplatz, bei dem ich den Zugang zum Grand Prismatic Spring Overlook vermutet hatte. Da jetzt gähnende Leere herrschte, fackelte ich nicht lange und steuerte das Wohnmobil trotz des Verbotschilds kurzerhand auf den leeren Platz.

Dieser kleine Mut wurde fürstlich belohnt! Nach etwa 10 Minuten Fussmarsch bergauf erreichte ich die hölzerne Aussichtsplattform hoch über der Quelle. Der Blick von hier oben war atemberaubend: Der Wind hatte den Dampf etwas verzogen und die gigantische, tiefblaue Quelle mit ihren leuchtend orange-gelben Rändern lag mir komplett zu Füssen. Dieser Punkt des Nationalparks ist wirklich wunderschön und ein absolutes Fotohighlight.

Yellowstone National Park Grand Prismatic Spring

Zum krönenden Abschluss des Tages besuchte ich noch den Artists‘ Paintpot Trail. Hier blubbert und kocht es in kleinen Schlammtöpfen, die in sanften Grau-, Rosa- und Brauntönen schimmern – es sieht im Wald tatsächlich ein bisschen so aus wie im Malkasten eines Künstlers.

Nachdem ich wieder auf dem Campground angekommen war (wo ich praktischerweise schon tagsüber kurz eingecheckt hatte), genoss ich ein wohlverdientes Abendessen im kuschligen Camper und schlief glücklich und zufrieden ein.

Entfernung: Rundfahrt zu den Geysir-Becken, Hayden Valley, Norris, Grand Prismatic, Old Faithful (220 km – 140mi)

Übernachtung – Campground:

Madison Campground

Kosten: $28,92 (26,20 €)

Dieser Campground bietet ausschliesslich den Stellplatz. Leistungen wie Strom, Wasser, Sewer werden nicht angeboten.

Empfehlung: ★★★☆☆

Hier kann man gut übernachten 🙂 Der Platz ist schön und hat auch ein angenehmes Ambiente. Man steht zwischen Bäumen, so habe ich mir das vorgestellt.

USA Nordwesten: Der Yellowstone National Park
USA Nordwesten: Vom Yellowstone in den Grand Teton NP

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner