
USA Nordwesten: Oregon Coast bis Fort Stevens State Park
Vom Surf-Mekka zum historischen Schiffswrack: Nach den Tagen im Hinterland zieht es mich heute endgültig zurück an den wilden Pazifik. Entlang des nördlichen Highway 101 jagt ein Highlight das nächste: Ich beobachte wagemutige Surfer vor gigantischen Felskolossen, tauche in einer der grössten Holzhallen der Welt tief in die Geschichte des Zweiten Weltkriegs ein und beende den Tag auf Oregons grösstem Naturcampingplatz – inklusive einer Prise Nervenkitzel und dem wohl gemütlichsten Lagerfeuer des gesamten Roadtrips.
Abschied von Salem und ein unkomplizierter Mittagssnack
Nachdem ich die letzte Nacht im gemütlichen Silver Spur RV Park verbracht hatte, stand das heutige Tagesziel fest: Es ging zurück an die geliebte Küste. Zuerst steuerte ich jedoch den Flughafen von Salem an, um den Mietwagen zurückzugeben.
Die nächste Etappe führte mich direkt nach Pacific City – ein malerischer kleiner Küstenort, der in jedem Reiseführer für seinen fantastischen Sandstrand gerühmt wird. Unterhalb der Cape Kiwanda State Natural Area fand ich auf Anhieb einen perfekten Stellplatz für das grosse Wohnmobil und machte mich auf zu einem ausgiebigen Spaziergang. Der Strand hier ist ein echtes Eldorado für Outdoor-Fans: Die Surfer fahren mit ihren Pickups ungeniert direkt bis ans Wasser.
Ich schaute eine ganze Weile fasziniert dabei zu, wie sie versuchten, die mächtige Brandung zu reiten. Ein unheimlich zeitintensives Hobby: Man wartet ewig auf die perfekte Welle, paddelt los, und wenn man sie erwischt, geht alles blitzschnell – oft gefolgt von einem spektakulären Abgang vom Board. Wenn der Ritt aber glückt, sieht es vor dieser Kulisse einfach mega cool aus. Unmittelbar vor der Küste thront hier nämlich ein riesiger, majestätischer Felskoloss im tosenden Meer.




Zurück am Camper schätzte ich sofort wieder die unschlagbaren Vorzüge des Wohnmobil-Lebens: Man wirft einfach spontan den Herd an und zaubert sich mitten am Strand einen leckeren Mittagssnack. Man hat sein eigenes Reich einfach immer dabei! 🙂
Luftschiffe und Giganten: Das Tillamook Air Museum
Weiter ging die Fahrt auf dem Highway 101 in Richtung Norden. Kurz vor der Stadt Tillamook tauchte plötzlich eine absolut monumentale Halle mit der Aufschrift „Air Museum“ am Horizont auf. Da ich schon im Vorfeld einiges über die historischen Hangars der Region gelesen hatte, fackelte ich nicht lange und legte einen spontanen Zwischenstopp ein.







Das Museum befindet sich in einer ehemaligen Marinebasis aus den 1940er Jahren. Während des Zweiten Weltkrieges waren in diesem gigantischen Holzbau riesige Militärluftschiffe (Blimps) stationiert, welche die US-Westküste gegen eine potenzielle japanische Invasion verteidigen und U-Boote aufspüren sollten. Die Dimensionen der Halle sind schier unbegreiflich – sie gilt als eine der grössten freitragenden Holzkonstruktionen der Erde. Heute beherbergt sie eine beeindruckende Sammlung ziviler und militärischer Flugzeuge. Direkt vor den Toren parkt ein weiteres Ungetüm: eine Mini Guppy – eine skurril geformte, riesige Transportmaschine aus den 1960er Jahren, mit der die NASA damals Raketenteile transportierte. Selbst diese Maschine ist riesig, wird von der Halle daneben aber regelrecht zwergenhaft klein gewirkt.
Anschliessend passierte ich Tillamook, das vor allem für seine gigantische Käsefabrik weltberühmt ist, deren Cheddar man in fast jedem amerikanischen Supermarkt findet. Als sich am Nachmittag der unaufhaltsame Kaffeedurst meldete, spuckte Google Maps einen echten Geheimtipp aus: das „Hidden Acres Greenhouse & Café“. Ein wunderbar verstecktes, unheimlich liebevoll gestaltetes kleines Café abseits des Highways, inmitten einer Gärtnerei. Mit hervorragendem Kaffee „to go“ im Becherhalter rollte der Camper weiter.

Vorbeiflug am Cannon Beach und Ankunft im Fort Stevens
Nächstes Etappenziel: der weltbekannte Cannon Beach. Der Künstlerort besticht durch seine unglaublich gepflegten, oft mit grauen Holzschindeln verzierten Häuschen. Berühmt ist natürlich vor allem der monumentale Haystack Rock, der fotogen aus dem flachen Wasser ragt. Genau wegen dieser Berühmtheit war es an diesem Nachmittag allerdings auch brechend voll. Da sich die Parkplatzsuche mit einem ausgewachsenen Wohnmobil in den engen Strassen als nahezu unmöglich erwies, beliess ich es bei einer gemütlichen Durchfahrt und genoss das Küstenflair einfach aus dem Cockpitfenster.



Wenig später erreichte ich mein eigentliches Tagesziel: den geschichtsträchtigen Fort Stevens State Park ganz im Nordwesten Oregons. Der Park liegt auf einem ehemaligen Militärgelände, das einst die Mündung des Columbia Rivers bewachte, und ist mit über 600 Stellplätzen der grösste staatliche Campingplatz in Oregon. Das Geniale daran: Durch die geschickte Aufteilung im dichten Wald auf unzählige separate Schleifen (Loops) merkt man von der schieren Grösse absolut gar nichts. Es fühlt sich herrlich privat und naturnah an.
Schiffswracks, Elks und die Warnung vor dem Puma
Ich hatte mir extra einen Platz ausgesucht, von dem aus ein Trail direkt hinunter zum Strand führt. Mein Ziel war das berühmte Wrack der Peter Iredale – ein viermastiges englisches Segelschiff, das hier im Jahr 1906 im dichten Nebel auf Grund gelaufen war. Ehrlich gesagt ist von dem einst stolzen Schiff nicht mehr viel übrig; die unbarmherzige See und der Rost haben dem Stahl über die Jahrzehnte massiv zugesetzt, sodass heute nur noch das rohe, rostige Metallskelett aus dem Sand ragt.
Der Weg dorthin war allerdings ein echtes Abenteuer. Ein grosses Schild am Trailhead warnte eindringlich vor aktiven Pumas (Cougars) in der Gegend. Das bringt einen, wenn man am Abend mutterseelenallein durch den dichten Küstenwald und die einsamen Dünen wandert, psychologisch doch ganz schön aus dem Konzept! Jedes Knacken im Unterholz lässt den Puls steigen. Ein Tier lief mir auf dem Rückweg dann tatsächlich noch über den Weg – allerdings ein völlig harmloses: Ein riesiger Elk (Wapiti-Hirsch) stand plötzlich seelenruhig direkt neben der Strasse und mampfte völlig tiefenentspannt Blätter von den Bäumen.






Ein „Proud Campfire“ und geschockte Nachbarn
Zurück am Stellplatz wartete das nächste Highlight: Auf diesem Campingplatz fährt regelmässig ein kleiner Pritschenwagen herum, der frisches Brennholz direkt an die Plätze verkauft. Perfekter Service! Ausgerüstet mit Grillanzündern und trockenem Holz startete ich ein wahrlich, mächtiges Lagerfeuer.
Während ich so am Feuer sass, das Knistern genoss und den Tag Revue passieren liess, kamen plötzlich zwei amerikanische Camper von ausserhalb auf meinen Platz gelaufen. Sie fragten ganz neugierig, was dieser Stellplatz eigentlich pro Nacht kosten würde. Es stellte sich heraus, dass die beiden auf dem privat geführten, benachbarten KOA-Campingplatz standen und sich massiv darüber ärgerten, wie schrecklich eng, ungemütlich und vor allem überteuert es dort war. Als ich ihnen den unschlagbar günstigen Preis für die idyllische staatliche Parzelle im Fort Stevens nannte, waren sie sichtlich geschockt.
Im warmen Schein der Flammen, umgeben von der üppigen, wilden Natur Oregons, genoss ich meinen letzten Abend an der unvergesslichen Oregon Coast in vollen Zügen, bevor es morgen über den mächtigen Columbia River geht.




Entfernung: Silver Spur RV Park – Fort Stevens State Park (269 km – 167 mi)
Übernachtung – Campground:
Fort Stevens State Park
$42 (38,30 €) inkl. Vorausbuchungsgebühr von $8
Dieser Platz ist wirklich toll. Nahe am Meer, mit vielen Möglichkeiten. Jeder Stellplatz ist ein Full Hookup. Es gibt ganz viele verschiedene Camper. Einige mit den Luxusmobilen, andere mit Zelt, dann wieder welche in Yurten. Die einzelnen Plätze sind mit Bäumen gesäumt und so vor der Witterung geschützt.
Empfehlung: ★★★★★
Jederzeit wieder! 🙂


