
USA Nordwesten: Spektakuläre Wellenspiele an der Oregon CoastUSA Nordwesten: Oregon Coast
Naturgewalten, Fontänen und ein tierischer Schreck: Meine Reise führt mich heute auf dem legendären Highway 101 immer weiter gen Norden entlang der rauen Oregon Coast. Es ist ein Tag der spontanen Entscheidungen und der unvergesslichen Küsten-Momente. Während die berühmten Seelöwen-Höhlen und Aquarien links liegen bleiben, zieht mich der Pazifik mit seiner unbändigen Kraft komplett in seinen Bann – bis der Tag auf einem idyllischen Campingplatz mit einer faustdicken, nächtlichen Überraschung endet.
Frühstück im Sturm und der Ruf des Highway 101
Gleich am Morgen verliess ich den Campground und steuerte noch einmal einen der spektakulären Aussichtspunkte vom Vortag an. Dort gönnte ich mir das Frühstück mit direktem Blick auf den Pazifik. Zugegeben, die Aussicht war anfangs noch etwas eingeschränkt, denn es stürmte und regnete mal wieder aus Kübeln. Aber genau in solchen Momenten lernt man die Vorzüge eines Wohnmobils erst so richtig schätzen: Drinnen ist es kuschlig warm, der Kaffee dampft und draussen tobt die Natur. 🙂
Mein Tagesziel für heute lautete Lincoln City. Die Route führte mich über den Highway 101 nach Norden – jene legendäre Küstenstrasse, die ich im letzten Jahr bereits ein ganzes Stück weiter südlich in Kalifornien bereist hatte.


Auf den ersten Meilen versteckte sich der Pazifik noch hinter dichten Wäldern, da die Strasse hier nicht unmittelbar an der Küstenlinie verläuft. Doch je weiter ich nach Norden kam, desto mehr verzogen sich die Regenwolken und machten Platz für strahlenden Sonnenschein.

Riesige Dünen und Plausch unter Campern
Zuerst passierte ich die gewaltigen Oregon Dunes. Diese Sanddünen sind absolut gigantisch und erstrecken sich meilenweit entlang der Küste. Bei trockenem Wetter hätte ich hier riesige Lust gehabt, mit einem der Strandbuggys über den Sand zu fegen, aber wegen des nassen Bodens vom morgendlichen Regen sparte ich mir das Abenteuer lieber für ein andermal auf.
Später erreichte ich die berühmten Sea Lion Caves. Bereits von den Aussichtspunkten oberhalb der Strasse konnte ich die Robben im glitzernden Wasser entdecken. Vor Ort gab es zwar die Möglichkeit, mit einem Aufzug direkt in die riesige Meereshöhle zu den Tieren hinunterzufahren, aber die Aussichtsplattformen oben wirkten im Trubel des Besucherzentrums etwas unübersichtlich. Da ich im letzten Jahr am kalifornischen Highway 1 in San Simeon die Robben schon unglaublich nah und in freier Wildbahn erleben durfte, verzichtete ich auf den Eintritt und zog lieber weiter.


Auf dem Parkplatz ergab sich dafür noch ein unheimlich netter Plausch mit einem Amerikaner, der mit einem absolut gigantischen Luxus-Camper unterwegs nach Süden war. Er erzählte mir, dass er als Rentner das perfekte Lebensmodell für sich gefunden hat: Ein halbes Jahr lebt er in der Nähe von Seattle, und die zweite Hälfte des Jahres verbringt er in der warmen Wüste nahe San Diego. Zudem schwärmte er von einer Deutschlandreise, die er im Sommer unternommen hatte. Solche Begegnungen und Reisegeschichten liebe ich auf einem Roadtrip einfach!
Die Entdeckung des Tages: Cape Perpetua und das Spouting Horn
Eigentlich stand als nächster Fixpunkt das Meeresaquarium in Newport auf meinem Zettel, falls das Regenwetter anhalten sollte. Da nun aber feinster Sonnenschein herrschte, entschied ich mich auf dem Parkplatz nach einem kurzen Snack spontan zur Weiterfahrt. Auf einem Roadtrip muss man einfach flexibel bleiben!
Diese Spontaneität wurde prompt belohnt, als ich kurz darauf am Cape Perpetua hielt – einen Spot, den ich vorher ehrlicherweise gar nicht auf dem Schirm hatte. Doch die Bedingungen an diesem Tag waren absolut perfekt: Es war windig und eine kräftige, anlandende Flut peitschte das Wasser gegen die Küste.
Genau hier befindet sich das faszinierende „Spouting Horn“ – eine natürliche Felsöffnung im Küstenplateau. Wenn die Wellen mit voller Wucht in die darunterliegende Höhle pressen, schiesst das Meerwasser als gigantische, zischende Fontäne meterhoch aus dem Fels! Das Schauspiel stand den geothermalen Geysiren im Yellowstone-Nationalpark in nichts nach und hat mich tief beeindruckt.


Nur ein Stück weiter legte ich an der Boiler Bay State Wayside direkt den nächsten Stopp ein. Die Brandung hier war phänomenal: Die Wellen rollten mit einer unglaublichen Wucht an und schlugen so monumental gegen die Klippen, dass die Gischt meterhoch in den Himmel spritzte. Der Anblick dieser rohen Naturgewalt zog mich derart in den Bann, dass ich mich, obwohl ich eigentlich schon zum Camper zurückgehen wollte, immer wieder umdrehte, um noch eine weitere Welle abzuwarten.




Einbruch in der Dunkelheit: Die Waschbären-Bande
Die restliche Fahrt führte mich über wunderschöne, historische Küstenbrücken und durch malerische kleine Fischerorte, bis ich schliesslich Lincoln City erreichte. Ein kurzer Abstecher in die dortige Outlet-Mall bot die perfekte Gelegenheit, ein wenig durch die Läden zu stöbern und das eine oder andere Schnäppchen zu machen.
Für die Nacht hatte ich mir einen Stellplatz in der Devil‘s Lake State Recreation Area reserviert. Der Campingplatz war wunderschön im Grünen gelegen. Am Abend entfachte ich an der vorgesehenen Feuerstelle ein gemütliches Lagerfeuer und genoss die nächtliche Ruhe.
Als ich so am Feuer sass und entspannte, knackte es plötzlich im Unterholz und leise, tippelnde Geräusche kamen direkt auf mich zu. Ich knipste die Taschenlampe an – und blickte direkt in vier neugierige Augen: Zwei ausgewachsene Waschbären hatten sich klammheimlich herangeschlichen und saßen seelenruhig direkt unter meiner hölzernen Essbank! Wer sich in diesem Moment mehr erschrocken hat, lässt sich schwer sagen, aber mein Puls war schlagartig oben. Die beiden Maskierten liessen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und zogen schliesslich friedlich weiter. Mit diesem genialen Naturerlebnis ging es kurz darauf glücklich ins Bett.
Entfernung: Bullards – Lincoln City (234 km – 145 mi)
Übernachtung – Campground:
Devil‘s Lake State Recreation Area
$42 (38 €) inkl. Vorausbuchungsgebühr von $8
Der Platz liegt direkt hinter dem Highway 101, in unmittelbarer Nähe zum Strand in Lincoln City. Die einzelnen Sites sind mit Bäumen und Sträuchern umwachsen. In der Nacht war der Platz deshalb auch sehr leise. Unsere Site war diesmal wieder ein Full Hookup mit Strom, Wasser und Sewer (und theoretisch sogar TV).
Empfehlung: ★★★★☆
Würde ich auf jeden Fall wieder für eine Nacht buchen. 🙂


