Amerika

USA Nordwesten: Art-Déco in Salem und das Abenteuer hinter den Silver Falls

Vom Krater der Politik in den wilden Regenwald: Mein Roadtrip verlässt heute vorübergehend die Küstenlinie und schlägt den Weg landeinwärts ein. Nach einem letzten, leicht „dreisten“ Frühstück am Pazifik steht Oregons Hauptstadt Salem auf dem Plan, die mit einer ungewöhnlichen Architektur und einer feurigen Geschichte überrascht. Doch die wahre Magie des Tages wartet tief in den dichten Wäldern des Silver Falls State Park, wo ich eine der coolsten Naturerfahrungen überhaupt mache: den Spaziergang hinter einer gigantischen Wand aus stürzendem Wasser.

Ein „dreistes“ Frühstück mit Meerblick

Nach einer wunderbar ruhigen Nacht zog es mich am Morgen direkt wieder an den Strand. Ich wollte mein Frühstück im Camper noch ein letztes Mal mit ungestörtem Blick aufs Meer geniessen. Da wir uns an der Westküste der USA befinden, geht die Sonne hier natürlich nicht über dem Pazifik auf – traumhaft schön wäre es aber sicher trotzdem gewesen. Zumal der Wetterbericht eigentlich strahlenden Sonnenschein versprochen hatte… Naja, man kennt das ja mit den Vorhersagen: Sie stimmen selten zu 100 %. Der Himmel war doch eher wolkenverhangen und eine steife Brise wehte. Aber so einen passionierten Camper wie mich stört das natürlich nicht im Geringsten. 🙂

Vom Campingplatz aus fuhr ich auf die gegenüberliegende Seite zur D River Beach Wayside, die ebenfalls unter staatlicher State-Park-Verwaltung steht. Dort parkte ich den Camper mit perfekter Sicht auf die Brandung und eine riesige Kolonie von Seevögeln, die sich rund um die Flussmündung im Sand niedergelassen hatten. Nach einer Weile belohnte mich die Natur und der Himmel klarte tatsächlich auf: Am Horizont tanzten die Wellen, die ersten Fischer warfen ihre Angeln aus – ein perfekter Start in den Tag.

Nach dem Essen gönnte ich mir noch einen kurzen Spaziergang hinunter zum Wasser. Bei der Rückkehr zum Wohnmobil klebte allerdings ein kleiner Zettel der Parkrangerin an meiner Windschutzscheibe: Ein freundlicher, aber bestimmter Hinweis, dass ich hier nicht quer über mehrere Parkplätze stehen darf, da auch andere Gäste aus ihren Pkw den Blick aufs Meer geniessen wollen. Zugegeben, das Querparken mit dem grossen RV war etwas dreist von mir – zu meiner Ehrenrettung muss ich aber sagen, dass an diesem frühen Morgen absolut gar nichts los war. Ich entschuldigte mich kurz bei der Rangerin, startete den Motor und rollte vom Platz.

Spurensuche in Salem: Ein Capitol mit feuriger Vergangenheit

Mein erstes Etappenziel des Tages war Salem, die Hauptstadt Oregons, was ich nach einer knappen 1,5-stündigen Fahrt durch das grüne Hinterland erreichte. Mein Weg führte mich direkt zum Oregon State Capitol. Dieses Regierungsgebäude unterscheidet sich optisch radikal von den prachtvollen Capitolen, die ich in Montana und Idaho bewundert hatte. Es stammt nicht aus den klassischen 1800er-Jahren, sondern wurde erst 1938 erbaut, was man der markanten Architektur im reinsten Art-Déco-Stil sofort ansieht.

Ehrlich gesagt ist es meiner Meinung nach nicht ganz so elegant wie die historisch verschnörkelten Prachtbauten der Nachbarstaaten. Der Grund für diesen modernen Bau ist allerdings skurril: Die beiden stolzen Vorgängerbauten sind im Laufe der Geschichte jeweils komplett abgebrannt… Gleich zwei Mal! Ich musste schmunzeln – irgendwie riecht das doch verdächtig nach Versicherungsbetrug. Aber wer weiss, vielleicht darf man genau deshalb in Oregon bis heute an den Tankstellen nicht selbst zum Zapfhahn greifen. 😉 Spass beiseite: Von innen ist das Capitol absolut sehenswert. Ich hatte Glück, denn die imposanten Sitzungssäle des Senates und des Repräsentantenhauses waren für Besucher geöffnet und frei zugänglich. Direkt an das Areal grenzt zudem wieder ein herrlicher Park – Oregon scheint gefühlt nur aus State Parks zu bestehen.

Anschliessend stattete ich der historischen Textilfabrik „Kay Woolen Mill“ noch einen kurzen Besuch ab, um mir das geschichtsträchtige Gelände anzuschauen, verzichtete jedoch auf die lange Museumstour. In den Strassenzügen rund um das Capitol fiel mir allerdings auf, dass auch hier die Obdachlosigkeit unübersehbar zum Stadtbild gehört. Da ich im vergangenen Jahr auf meiner Roadtrip-Route in einer solchen Gegend leider schlechte Erfahrungen gemacht habe und bestohlen wurde, beschloss ich, mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen, den städtischen Trubel hinter mir zu lassen und wieder ganz in die beruhigende Natur abzutauchen.

Der Silver Falls State Park: Ein Rausch aus Wasser und Wald

Im Silver Falls State Park angekommen, checkte ich zuerst auf dem parkeigenen Campingplatz ein, bevor ich mich auf den Weg zu den berühmten Wasserfällen machte. Der Park ist ein wahrer, mystischer Regenwald, in dem es auf engstem Raum mindestens zehn verschiedene, gewaltige Wasserfälle zu bestaunen gibt. Da ich nicht die ganz grosse Runde wandern wollte, konzentrierte ich mich auf die drei Fälle mit dem spektakulärsten Potenzial.

Das absolute Highlight: Es gibt hier zwei Wasserfälle, bei denen der Wanderweg auf einem natürlichen Felssims direkt hinter der herabstürzenden Wassermenge entlangführt. Und ja, das ist exakt so unfassbar cool, wie es sich anhört! An den nördlichen Ausläufern steuerte ich den Upper und den Lower North Fall an – jeweils erreichbar über einen kurzen, wunderschönen Spaziergang vom Parkplatz aus durch den dichten, moosbewachsenen Wald. Für mich persönlich sind diese nördlichen Fälle die absolut schönsten des gesamten Parks.

Zum Abschluss drehte ich auch am gewaltigen South Fall meine Runde und bestaunte die mächtigen Wassermassen, die hier in die Tiefe stürzen, während die Gischt als feiner Nebel in der Luft liegt. 

Das widerspenstige Lagerfeuer

Zurück am Stellplatz wollte ich den Abend eigentlich gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen – doch dieser Plan scheiterte kläglich. Die extrem hohe Luftfeuchtigkeit im Regenwald hatte das auf dem Campingplatz gekaufte Brennholz komplett klamm und nass werden lassen. Ohne professionelle Grillanzünder und nur mit ein bisschen trockenem Zeitungspapier bewaffnet, war dem Holz einfach keine stabile Flamme zu entlocken.

Zwischen zwei meiner verzweifelten Pust-Versuche bekam ich im fahlen Abendlicht noch ganz leisen Besuch: Ein neugieriges Reh trat aus dem Unterholz und beobachtete mich eine Weile aus sicherer Entfernung. Als schliesslich auch noch der reale Regen einsetzte, gab ich mich dem nassen Holz geschlagen, packte die Klappstühle ein und flüchtete mich in den kuschligen, trockenen Innenraum des Campers, um den erlebnisreichen Tag entspannt Revue passieren zu lassen.

Entfernung: Lincoln City – Silver Falls State Park (160 km – 100 mi)

Übernachtung – Campground:
Silver Falls State Park

$37 (33,50 €) inkl. Vorausbuchungsgebühr von $8

Dieser Campground liegt auch wieder inmitten eines State Parks. Meine Site mit Strom und Wasser war super. Man kann von hier aus direkt den Park erwandern. 

Empfehlung: ★★★★☆

Gerne wieder. 🙂

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