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USA Nordwesten: Auf nach Seattle

Das grosse finale am Pazifischen Nordwesten: Mein Roadtrip nähert sich dem Ziel. Heute lasse ich die raue Oregon Coast endgültig hinter mir, um die letzte grosse Fahretappe zurück nach Seattle in Angriff zu nehmen. Auf dem Weg dorthin erlebe ich historische Weitblicke über den mächtigen Columbia River, gerate im imposanten Capitol von Washington ins Staunen und lüfte am Flughafen ganz nebenbei ein absolut grandioses, technisches Rätsel, das mich tagelang beschäftigt hat.

Das 5-Dollar-Jahresticket an der Astoria Column

Nach einem gemütlichen Frühstück im Camper war es an der Zeit, die Oregon Coast hinter mir zu lassen. Die letzte grosse Etappe der Reise sollte mich zurück zum Ausgangspunkt nach Seattle führen. Gleich am Morgen steuerte ich die historische Astoria Column an – einen markanten Aussichtsturm, von dem aus ich eine phänomenale Sicht über die riesige Mündung des Columbia River hatte. Die schmale, gewundene Zufahrtsstrasse nach oben liess sich mit dem Wohnmobil überraschend gut befahren.

Oben angekommen, stand erst einmal der Ticketkauf an: Ich bezahlte die obligatorische Parkgebühr von $5. Das Kuriose daran: Es handelte sich um eine reine Jahresparkgebühr. Ich könnte nun also theoretisch ein ganzes Jahr lang dort oben parken. Da mein fester Wohnsitz dann aber doch ein bisschen zu weit entfernt liegt, werde ich auf dieses verlockende Angebot wohl schweren Herzens verzichten müssen. 🙂

Astoria Colum

Exakt mit meinem Eintreffen vertrieb die Morgensonne die letzten dichten Wolken, und der Nebel im Umland verflüchtigte sich binnen Minuten. Der Aufstieg zur Aussichtsplattform erfolgt über eine extrem schmale Wendeltreppe im Inneren der Säule. Zum Glück ist die Treppe mit kleinen Plattformen ausgestattet, auf denen man den entgegenkommenden Besuchern gut ausweichen kann. Oben angekommen, wurde ich mit einem grandiosen Panorama belohnt.

Diesen Ausblick konnte an diesem Morgen allerdings nicht jeder teilen: Auf der Plattform kauerte ein junges Mädchen, das offensichtlich unter massiver Höhenangst litt. Als ihre Familie schliesslich den Rückweg antrat, krabbelte der Teenager allen Ernstes auf allen Vieren durch die Ausgangstür. Auch der Abstieg über die Metallstufen fiel ihr sichtlich schwer – ich traf sie erst einige Minuten später am allerletzten Ende der Treppe wieder, als ich mich selbst an den Abstieg machte. Der Blick von oben ist aber auch wirklich atemberaubend: Ich sah die gewaltigen Brückenkonstruktionen, historische Gebäude und die mächtigen Frachtschiffe auf dem Columbia River. Von aussen ist der Turm zudem mit einer wunderschönen, umlaufenden Bildgeschichte verziert.

Monumentale Architektur im Capitol von Olympia

Nach diesem Stopp setzte ich die Reise auf dem legendären Highway 101 konsequent in Richtung Norden fort und folgte der Strasse so lange wie möglich. Die Route macht im Camper einfach riesigen Spass, da sie durch ein ständiges Wechselspiel aus kleinen, verschlafenen Ortschaften, weiten Marschland-Flächen, Flüssen und tiefen Wäldern führt.

Als idealen Zwischenstopp für den Nachmittag hatte ich mir Olympia ausgesucht, die Hauptstadt des Bundesstaates Washington. Auch hier steuerte ich als allererstes das Washington State Capitol an. Und dieses Regierungsgebäude ist eine echte Wucht: absolut riesig und unheimlich imposant. Bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel erkundete ich das Areal von aussen und von innen. Das Bauwerk ist optisch kaum kleiner als das berühmte originale Capitol in der US-Hauptstadt Washington D.C. – die gewaltige, selbsttragende Kuppel ist sogar die fünftgrösste der Welt und die grösste in den gesamten USA!

Das gesamte Regierungsviertel besticht durch opulente, klassizistische Prachtbauten. Im Inneren des Capitols faszinieren kunstvolle Lampen und monumentale Feuerstellen aus massiver Bronze. Auf der Galerie im zweiten Stock stösst man zudem auf eine detailreiche Büste von George Washington, dem ersten Präsidenten der USA und Namensgeber dieses Bundesstaates. Vor den Stufen des Nordportals hatte sich an diesem Tag eine lautstarke Protestgruppe formiert, die ein kleines Zeltdorf aus Pavillons und Tipis samt riesiger Transparente aufgebaut hatte. Dadurch war der Platz direkt vor dem Portal zwar gesperrt, aber der Blick von der breiten Treppe hinüber zum mächtigen „Temple of Justice“ war dennoch absolut beeindruckend.

Da der Rest der Stadt Olympia im Vergleich zum Regierungsviertel sehr überschaubar wirkte, zog ich bald weiter und steuerte den Flughafen Seattle-Tacoma (SeaTac) an. Dort hatte ich für die letzten Tage der Reise wieder einen kompakten Mietwagen gebucht.

Die Erleuchtung in der Mietwagen-Choiceline

An der riesigen Rental Car Facility des Flughafens angekommen, stellte ich den Camper auf einem der Parkplätze ab und kümmerte mich um die Fahrzeugübernahme. In der sogenannten Choiceline – der Reihe, in der man sich seinen Wagen innerhalb der gebuchten Klasse selbst aussuchen darf – standen mehrere Modelle des Nissan Rogue. Exakt denselben Wagentyp hatte ich Tage zuvor schon in Salem gemietet und mich damals über die vermeintlich defekte Heckklappe geärgert. Eigentlich wollte ich dieses Mal ein anderes Auto, aber die Alternativen in der Reihe waren absolut unspektakulär.

Als ich mir den Nissan jedoch noch einmal ganz genau anschaute, fiel mir auf, dass sich auch bei diesem brandneuen Wagen der Kofferraum von aussen einfach so per Hand öffnen liess, obwohl das Auto per Fernbedienung komplett verriegelt war. Und plötzlich traf mich die Erleuchtung wie ein Blitz: Der Wagen besitzt ein hochmodernes Keyless-Go-System für den Kofferraum! Sobald ich mit dem Schlüssel in der Hosentasche hinter dem Auto stand, entriegelte die Klappe automatisch. Ging ich ein paar Meter weg, war alles bombenfest verschlossen.

Ich musste laut lachen – wenn das mal der gute Mitarbeiter am Schalter in Salem gewusst hätte! 🙂 Nach diesem amüsanten Aha-Erlebnis fiel meine Wahl natürlich sofort auf den Nissan. Mit seinem grosszügigen Kofferraum und der integrierten Apple CarPlay-Funktion ist er einfach das optimale Gefährt für die Grossstadt.

Enten-Empfang auf dem Campground

Die anschliessende Fahrt zum Campingplatz entwickelte sich zu einer echten Geduldsprobe. Da ich ab jetzt mit zwei Autos gleichzeitig unterwegs war (ich im Camper, meine Begleitung im Mietwagen), konnte die viel schnellere Carsharing-Spur (HOV Lane) nicht genutzt werden, da in jedem Fahrzeug nur eine Person sass. Zusammen mit dem heftigen Berufsverkehr in Seattle brauchte ich für die Strecke weit über eine Stunde.

Als ich schliesslich am Campingplatz ankam, hatte das Office bereits geschlossen. Wie im amerikanischen Camping-Business üblich, war das aber überhaupt kein Problem: An der Tür hing ein Briefumschlag mit meinem Namen, der den Lageplan und alle notwendigen Informationen enthielt. Ich bezog einen wunderschönen Stellplatz, auf dem sowohl das Wohnmobil als auch der Pkw problemlos nebeneinander Platz fanden. Der Campground ist idyllisch an einem kleinen See gelegen, und eine neugierige Gruppe Enten watschelte direkt zur Begrüssung herbei und leistete mir beim Einrichten Gesellschaft.

Zum Abendessen ging es im Anschluss ganz unkompliziert in ein nahegelegenes Denny’s Diner. Auf dem Rückweg sprang ich noch kurz für ein paar Besorgungen in einen Walmart und liess den ereignisreichen Tag danach entspannt im Camper ausklingen, während nebenher die Waschmaschinen des Campingplatzes liefen, um meine Reisewäsche noch einmal frisch auf Vordermann zu bringen.

Entfernung: Fort Stevens State Park – Seattle (378 km – 235 mi)

 

Übernachtung – Campground:
Lake Pleasant RV Park

$ 145,73 (133,22 €)

Diesen Campground hatten wir bereits im Vorfeld aus Deutschland reserviert. Vor allem, weil es im Grossraum Seattle nicht so viele attraktive Plätze gibt. Ausserdem waren die Plätze fast alle ausgebucht. Dies liegt sicher auch an der hohen Anzahl an Dauergästen. Auch auf diesem Campground gibt es davon sehr viele. Der Platz selber ist sehr schön. Er liegt rund um den kleinen See „Lake Pleasant“. Die meisten Stellplätze sind entlang der Uferlinie mit Full-Hockup verfügbar und verfügt über eine Camping-Tisch-Bank-Kombination. Der Platz ist ruhig und sauber. 

Empfehlung: ★★★★☆

Wir würden hier wieder übernachten. Lage und Leistungen sind gut.

USA Nordwesten: Oregon Coast bis Fort Stevens State Park
USA Nordwesten: Aufenthalt in Seattle

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