
Die Gegend rund um Cannobio erkunden
Schlucht-Romantik und ein unvollständiges Service-Erlebnis: Nach einem gemütlichen Start in den Tag steht heute eine landschaftlich reizvolle Wanderung entlang des Flüsschens Cannobino auf dem Plan. Das Ziel ist die beeindruckende Schlucht von Sant’Anna mit ihrem gleichnamigen Restaurant. Da das Grotto weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt und stets extrem gut besucht ist, hatte ich vorsorglich im Vorfeld einen Tisch reserviert. Ein herrlicher Ausflug, der tiefe Einblicke in die Naturgeschichte bereithält, beim Service vor Ort allerdings noch etwas Luft nach oben liess.
Schwingende Drahtseile und uralte Steinbögen
Wir trafen uns direkt hinter dem Campingplatz, um die entspannte Tour zu starten. Der Wanderweg folgt treu dem natürlichen Flusslauf des Cannobino und ist angenehm eben zu laufen. Da die spätsommerliche Sonne bereits wieder kräftig vom Himmel brannte, waren wir unheimlich froh, dass weite Teile der Strecke im kühlen Schatten dichter Baumkronen verliefen.
Auf unserem Weg passierten wir eine abenteuerliche Drahtseilbrücke, die das Flüsschen überspannt. Beim Überqueren der Konstruktion spürten wir deutlich, wie die gesamte Brücke im Takt unserer Schritte elastisch zu schwingen begann – ein kleiner, aufregender Moment, aber absolut harmlos. Beim Blick hinab ins Flussbett entdeckten wir stromabwärts unzählige kleine, kunstvoll aufgestapelte Steinmännchen, die vorherige Besucher im seichten Wasser hinterlassen hatten.


Nach rund einer Stunde strammen Gehens erreichten wir das Ziel. Unterhalb der historischen Kapelle Sant’Anna öffnet sich das Tal zu einer grosszügigen Ausbuchtung im Flusslauf, die optisch an einen kleinen, idyllischen Bergsee erinnert. Hier strömt das Wasser wild aus der dahinterliegenden, engen Felsspalte. Man kann förmlich erahnen, wie sich der Fluss in jahrtausendelanger Arbeit unerbittlich durch den massiven Fels geschnitten hat. In der Lagune suchten einige Badegäste im kühlen Nass eine Erfrischung oder sonnten sich am felsigen Ufer. Sogar eine Gruppe Taucher war vor Ort, um die tiefen Gumpen und den mystischen Zugang zur Schlucht unter Wasser zu erkunden.



Um zum höher gelegenen Restaurant zu gelangen, nutzten wir den schmalen Pfad an der Felswand. Mit dem Kinderwagen, den wir in unserer Runde dabei hatten, gestaltete sich der Aufstieg als echtes Hindernisrennen. Mit vereinten Kräften und ein wenig sportlicher Kraftanstrengung liess sich aber auch dieses Gefährt die Stufen hinaufgetragen. Von oben genossen wir ein fantastisches Panorama über die gesamte Szenerie. Besonders die mehr als 800 Jahre alte, elegant geschwungene Steinbogenbrücke „dell’agostana“, die die beiden steilen Seiten der Schlucht miteinander verbindet, ist ein absolut imposantes Fotomotiv.





Grottoromantik unter Reben und ein Patzer im Service
Im Restaurant angekommen, bekamen wir einen genialen Platz mit direktem Blick in die tiefe Schlucht zugeteilt. Die Tische bestehen hier traditionell aus wuchtigen, massiven Steinblöcken und sind unter einer wunderschönen, weinbewachsenen Pergola angeordnet – ein absolut stimmungsvolles Fleckchen Erde.
Wir bestellten eine bunte Auswahl aus der Karte: verschiedene Vorspeisen, hausgemachte Pasta und deftige Fleischgerichte. Qualitativ war das Essen gut, allerdings fielen die Portionen für unseren Geschmack überraschend überschaubar aus. Zu allem Überfluss wurde ein bestelltes Hauptgericht von der Küche komplett vergessen. Da der Service den Fehler erst sehr spät bemerkte, war das Gesamterlebnis in dieser Hinsicht leider etwas getrübt.



Auf dem anschliessenden Rückweg, den wir auf derselben Route bestritten, trafen wir immer wieder auf flinke kleine Eidechsen. Die Reptilien genossen sichtlich die warmen Sonnenstrahlen auf den Steinen und flüchteten pfeilschnell im Zickzackkurs in die Ritzen, sobald wir ihnen zu nahe kamen.
Taufgesellschaft und ein verregneter Aperitivo
Gegen späteren Nachmittag zog es uns für das gewohnte Abendprogramm wieder zurück an die lebendige Uferpromenade in unser bewährtes Lieblingslokal. Bei unserer Ankunft im „Plaza Café“ trauerten wir kurz um unsere Chancen auf einen freien Tisch, da es vor Menschen regelrecht wimmelte. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass die riesige Gästeschar im Inneren des Lokals eine traditionelle italienische Taufe feierte.
Vor der Tür ergatterten wir glücklicherweise noch ein schönes Plätzchen. Unser Tisch lag strategisch perfekt direkt unter der grossen, schützenden Markise. Das erwies sich als absoluter Segen, denn pünktlich zum Servieren der Drinks öffnete der Himmel seine Schleusen und es setzte heftiger Regen ein. Davon liessen wir uns die Urlaubsstimmung jedoch nicht vermiesen: Aufgrund des anhaltenden Schauers beschlossen wir kurzerhand, den Aperitivo spontan auszuweiten und direkt vor Ort in ein gemütliches Abendessen übergehen zu lassen.




Shopping-Ausflug nach Intra und Gravellona Toce
Am nächsten Morgen starteten wir herrlich entspannt in einem kleinen, charmanten Café an der historischen Via Umberto in der Altstadt von Cannobio in den Tag. Vor dem Lokal gab es ein paar wunderschöne Sitzplätze direkt an der Gasse. Wir liessen uns herzhafte Focaccia, starken Espresso und eine Auswahl an kleinen, süssen Konditordelikatessen schmecken – der perfekte kulinarische Start.




Da sich das Wetter am Vormittag eher durchwachsen präsentierte, nutzten wir die Gelegenheit für einen ausgiebigen Shopping-Ausflug. Die Fahrt führte uns rund 35 Kilometer südwärts in ein grosses Einkaufszentrum nach Gravellona Toce. Wir stöberten gemütlich durch die verschiedenen Läden und nutzten im dortigen Coop-Supermarkt die Chance, den Vorratsschrank im Camper mit allerlei authentischen italienischen Leckereien für zu Hause aufzufüllen.
Auf dem Rückweg legten wir einen ausgiebigen Zwischenstopp in der Hafenstadt Intra ein. In der Nähe des geschäftigen Hafens gönnten wir uns einen kleinen Mittagssnack und erkundeten im Anschluss die sehenswerte, von Altstadtgassen geprägte Stadt am Westufer des Sees.



Kulinarischer Abschluss im Camping-Restaurant
Der Abend wurde standesgemäss mit dem nächsten Aperitivo-Ritual eingeläutet. Dieses Mal hatten wir uns im Vorfeld bewusst für ein anderes Lokal entschieden, um ein wenig Abwechslung in die Urlaubsroutine zu bringen. Zu unserem eiskalten Aperol Spritz servierte man uns hier eine fantastische, reichhaltig garnierte Platte mit regionalen Wurst- und Käsespezialitäten.



Für das finale Abendessen steuerten wir schliesslich das hauseigene Restaurant direkt auf meinem Campingplatz an. Das Lokal war bis auf den letzten Platz besetzt, und die Stimmung war wunderbar lebendig. Neben klassischer Pizza und frischen Pastagerichten genossen wir eine Karaffe süffigen Hauswein und rundeten den gelungenen Spätsommertag mit ein paar sündhaft leckeren Desserts ab. Ein absolut runder und gelungener Abschluss für diesen abwechslungsreichen Tag am Lago Maggiore!







2 Comments
Thomas
Wow, vielen Dank für diesen Beitrag. Wir wollen in diesem Jahr auch an den Lago. Wir wollen auf jeden Fall auch mal das Restaurant besuchen. Hoffentlich klappt der Service dann bei uns. 🙂 Die Lage und die Gerichte sehen auf jeden Fall super aus.
Viele Grüsse
Thomas
Chris W
Vielen Dank. 🙂 Hoffentlich wird es bald wieder möglich zu reisen.
Wir hoffen auch, dass der Service nur bei uns einen schlechten Tag hatte. 🙂
Beste Grüsse
Chris