
Stippvisite in Porto: Pastéis de Nata, Portweinkeller und ein uriges Sprachgewirr
Spontaner Abstecher in die Stadt des Barocks: Da der Roadtrip Richtung Süden bislang extrem flüssig und ohne nennenswerte Verzögerungen verlief, reifte am Morgen ein spontaner Entschluss: Ein ungeplanter Zwischenstopp in Porto! Eigentlich stand die Metropole gar nicht auf dem Zettel, da das Ziel lautet, so schnell wie möglich die Algarve zu erreichen – aber wenn man schon einmal in der Region ist… 🙂 Die Stellplatzsuche gestaltete sich im November überraschend knifflig, da einige Plätze bereits komplett ausgebucht waren. Die Wahl fiel schliesslich auf einen strandnahen Campingplatz südlich des Douro, der die perfekte Ausgangslage für die Erkundung der Stadt bot.
Autark am Atlantik und eine Flucht vor dem Starkregen
Der angesteuerte Campingplatz „Orbitur Canidelo“ liegt, nur durch eine Küstenstrasse getrennt, unmittelbar am tosenden Atlantik und südlich der Douro-Mündung. Die Anlage selbst ist zwar sichtlich in die Jahre gekommen – was man vor allem den Sanitäranlagen deutlich anmerkt –, besticht dafür aber mit einer unschlagbaren Nähe zu Porto. Für mich ist der rustikale Zustand absolut kein Problem: Dank der hervorragenden Ausstattung ist Hugo komplett autark, sodass ich alles an Bord habe, was ich brauche. Viel wichtiger war ein sicheres, umzäuntes Areal, um den Camper unbesorgt abstellen zu können.




Die Logistik in die City klappte reibungslos: Die Bushaltestelle liegt quasi vor der Tür, und nach einer kurzen Fahrt war das Viertel Vila Nova de Gaia erreicht. Von dort aus überquerte ich zu Fuss die imposante, stählerne doppelstöckige Brücke Ponte Dom Luís I. Exakt um 14:00 Uhr öffnete der Himmel jedoch radikal seine Schleusen. Bei heftigem Starkregen eilte ich schnellen Schrittes durch die nassen Gassen zum traditionellen Café „Confeitaria do Bolhão“. Bei einer Tasse heissem Kaffee und den weltberühmten, ofenfrischen Pastéis de Nata (portugiesische Blätterteigtörtchen mit Puddingfüllung) liess sich das Unwetter hervorragend aussitzen.



Ausgebucht im November? Portwein-Glück im dritten Anlauf
Da sich der Dauerregen hartnäckig einrichtete, improvisierte ich das Nachmittagsprogramm und beschloss, einen der berühmten Portweinkeller zu besichtigen – ein Erlebnis, das ich bei einem früheren Besuch vor einigen Jahren verpasst hatte. Da sämtliche historischen Portweinkellereien im gegenüberliegenden Stadtteil Gaia am Südufer des Douro angesiedelt sind, buchte ich über die in Portugal weit verbreitete App Free Now ein Uber, um nicht komplett durchnässt zu werden.
An der ersten bekannten Kellerei angekommen, hatte der Regen zwar aufgehört, aber es folgte die nächste Lektion des Tages: Ohne vorherige Online-Reservierung ging absolut gar nichts – selbst an einem vermeintlich ruhigen Dienstagnachmittag im November war bereits alles restlos ausgebucht. Nach einem zweiten Fehlgriff bei einer benachbarten Kellerei wendete sich das Blatt schliesslich bei „Ferreira“. Hier war glücklicherweise noch ein Platz in einer Führung um 17:30 Uhr frei.






Die Wartezeit bis zum Beginn verging wie im Fluge, und die anschliessende Tour durch das weitläufige, historische Fasslager war absolut faszinierend und vollgepackt mit spannenden Fakten über den Anbau im Douro-Tal und die Reifung des Weins. Zum krönenden Abschluss der Führung gab es eine exzellente Verkostung der hauseigenen Portweine im stilvollen Ambiente der Kellerei.






Wenn Lautstärke keine Sprachen ersetzt: Ein uriges Abendessen
Als ich das geschichtsträchtige Gemäuer verliess, war es bereits stockdunkel und die Lichter der Stadt spiegelten sich malerisch im Fluss. Da ich für das Abendessen ein ganz bestimmtes Restaurant im Auge hatte, versuchte ich erneut, ein Uber zu rufen – zur Hauptverkehrszeit um diese Uhrzeit war jedoch kein freies Fahrzeug mehr zu bekommen. Also ging es zu Fuss weiter. Nach einem strammen 30-minütigen Marsch quer durch die abendliche Stadt erreichte ich das urige Lokal „Casa Expresso“.
Ich war gezielt auf der Suche nach einer ganz besonderen nordportugiesischen Spezialität, die ich von früher in bester Erinnerung hatte: „Rojões à moda do Minho“ – ein traditionelles, salziges Schweinefleischgericht, bei dem die Fleischwürfel unheimlich zart geschmort werden.
Der Besitzer des gemütlichen Lokals war unheimlich herzlich, gab aber unmissverständlich zu verstehen, dass er ausschliesslich Portugiesisch spricht. Auf der handgeschriebenen Karte war das gesuchte Gericht beim besten Willen nicht zu entdecken. Ich behalf mir mit der modernen Technik und zeigte ihm auf dem Smartphone Fotos des Gerichts aus den Google-Rezensionen seines eigenen Restaurants. Der Wirt verstand sofort, versuchte mir jedoch gestenreich etwas zu erklären. Da ich kein Wort Portugiesisch spreche, verstand ich nur Bahnhof. Auch sein gut gemeinter Versuch, die Erklärung einfach mehrfach zu wiederholen und dabei schrittweise immer lauter zu werden, half der Verständigung verständlicherweise nicht weiter. 🙂
Ich kapitulierte amüsiert vor der Sprachbarriere und bestellte schlichtweg das Gericht, auf das er auf der Karte immer wieder energisch deutete. Serviert wurde mir ein hervorragendes, saftiges Kotelett mit Reis und Pommes frites. Dazu gab es süffigen Hauswein, eine Flasche Wasser und als krönenden Abschluss einen himmlischen Karamellpudding sowie einen starken Espresso. Das absolute Highlight folgte beim Bezahlen: Das gesamte, üppige Abendessen kostete gerade einmal unschlagbare 18 Euro! Ein absolut authentisches und unvergessliches Erlebnis.


Zurück zum Campingplatz ging es im Anschluss ganz bequem mit einem Uber. Zurück im gemütlichen Hugo machte ich es mir gemütlich, während der Blick auf den Wetterbericht für die kommenden Tage endlich perfektes, sonniges Reisewetter versprach. Hinter mir lagen 350 gefahrene Kilometer auf dem Tacho und ein Tag voller unvergesslicher Eindrücke in einer der schönsten Städte Portugals.
Etappe: Salamanca (Spanien) – Grenze Portugal – Porto / Canidelo (ca. 350 km im Wohnmobil)
Übernachtung – Campground:
Campingplatz „Orbitur Canidelo“
21,20 € für 1 Nacht
Dieser Campground liegt, nur durch eine Strasse getrennt, unmittelbar am Meer und südlich des Douro. Mit dem Bus war ich von dort aus schnell in Gaia. Der Platz selber ist ok. Er ist in die Jahre gekommen, was sich vor allem an den sanitären Anlagen wiederspiegelt. Aber dafür eben nah an Porto. Für mich kein Problem, da ich in meinem Hugo alles haben um autark zu sein. Wichtig war mir vielmehr ein gesicherter Platz, um ihn abzustellen.
Empfehlung: ★★☆☆☆
Für eine Nacht mit einem autarken Wohnmobil ok.


