
Von Porto nach Aveiro: Das Venedig Portugals und gestreifte Fischerhäuschen
Pazifik-Déjà-vu und farbenfrohe Küstenkultur: Der Morgen erwacht mit strahlendem Sonnenschein und vertreibt die Regenwolken der vergangenen Tage endgültig. Bevor die Reise weiter Richtung Süden geht, sorgt ein spontaner Strandspaziergang südlich von Porto für echte Urlaubsgefühle und weckt Erinnerungen an ganz andere Küstenlinien am anderen Ende der Welt. Der anschliessende Roadtrip führt mitten hinein in das farbenfrohe, von Kanälen durchzogene Aveiro und zu den wohl am meisten fotografierten, gestreiften Holzhäusern an der portugiesischen Atlantikküste.
Ein Morgen wie in Monterey
Der Tag startete absolut perfekt: In der wärmenden Morgensonne gönnte ich mir als erstes einen ausgiebigen Spaziergang direkt am Strand vor dem Campingplatz. Die wilde Küstenlinie besteht hier aus einer faszinierenden Mischung aus feinem Sand und wuchtigen, dunklen Felsbrocken.
Beim Blick auf die brechenden Wellen schoss mir sofort ein Déjà-vu durch den Kopf: Die Szenerie erinnerte mich unheimlich stark an einen unvergesslichen Morgen im Jahr 2018 in der Nähe von Monterey, als ich an der kalifornischen Pazifikküste stand. Spätestens in diesem Moment – mit dem Salz in der Luft und dem weiten Horizont vor Augen – war ich zu 100 % im Urlaubsmodus angekommen.




Stippvisite im „Venedig Portugals“ und eine gewöhnungsbedürftige Spezialität
Nach dem Frühstück wurden die Campingmöbel verstaut und Hugo startklar gemacht. Das erste Tagesziel hiess Aveiro, das ich nach einer knapp einstündigen, entspannten Fahrt erreichte. Auf einem grosszügigen Parkplatz am Rande des Stadtzentrums fand sich problemlos ein Stellplatz in bester Gesellschaft einiger anderer Wohnmobile. Von dort aus war der Weg in den historischen Kern angenehm kurz.
Die Route führte direkt an einem der drei schiffbaren Kanäle vorbei, auf denen die berühmten Moliceiro-Boote kreuzen. Diese traditionellen, extrem bunt und kunstvoll verzierten Holzboote fallen sofort ins Auge und sind der Grund, warum Aveiro auch gerne als das „Venedig Portugals“ bezeichnet wird. Da ich am Nachmittag noch weiterreisen wollte, verzichtete ich auf eine klassische Bootstour und erkundete die Stadt lieber zu Fuss.
Beim Schlendern durch die charmanten Gassen der Altstadt faszinierten mich vor allem die typisch portugiesischen Häuser mit ihren aufwendig gekachelten Azulejo-Fassaden. Es ist immer wieder absolut beeindruckend, wie viel Charme diese Gebäude versprühen – selbst wenn sie sichtlich in die Jahre gekommen oder sogar ein wenig baufällig sind.




Natürlich nutzte ich die Gelegenheit, die weltberühmte regionale Süssspeise „Ovos Moles de Aveiro“ zu testen. Dabei handelt es sich um kleine, hauchdünne Oblatenformen, die mit einer extrem süssen Creme aus rohem Eigelb und Zucker gefüllt sind. Mein persönlicher Fall war es ehrlich gesagt nicht – die Konsistenz und die intensive Süsse sind gewöhnungsbedürftig, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden! 🙂




In der Rua de Coimbra entdeckte ich im Anschluss noch einen genialen kleinen Laden, der sich komplett auf den Verkauf von portugiesischem Fisch in unzähligen, knallbunt gestalteten Designdosen spezialisiert hat – ein fantastisches Motiv für die Kamera und ein tolles Mitbringsel.




Costa Nova: Gestreifte Postkartenidylle im Sonnenschein
Nach dem Stadtbummel zog ich weiter und steuerte Hugo nach Costa Nova do Prado in der Gemeinde Ílhavo. Dieses kleine Küstenstädtchen ist weltbekannt für seine charakteristischen, bunt gestreiften Holzhäuschen, die sogenannten Palheiros da Costa Nova.
Hinter den weitläufigen Dünen fand sich ein idealer Parkplatz, von dem aus die Promenade im Nu zu Fuss erreicht war. Neben der hübschen kleinen Kirche Igreja Matriz da Costa Nova ist die gesamte Flaniermeile des Ortes ein absoluter Augenschmaus. Die wunderschön gepflegten, senkrecht oder waagerecht gestreiften Häuser (Casas Típicas), die makellos landestypisch gepflasterten Wege und dazu strahlender Sonnenschein – Camperherz, was willst du mehr? Theoretisch hätte man auf dem ruhigen Parkplatz hinter den Dünen sogar hervorragend autark übernachten können, da dort bereits einige andere Reisemobile standen.





Offroad-Navigation und einsame Dünen in Vagueira
Ich hatte mir für die Nacht jedoch bereits einen netten, kleinen Campingplatz ein Stück weiter südlich bei Vagueira herausgesucht und wollte frühzeitig ankommen, um den späten Nachmittag am Meer zu verbringen. Die Fahrt dorthin entwickelte sich zu einer kleinen Slapstick-Einlage meines Navigationssystems: Die Anlage des „Vagasplash“ liegt etwas ausserhalb des eigentlichen Ortes, was Google Maps im Cockpit sichtlich verwirrte. Die digitale Navigationsfreundin wollte mich partout über einen winzigen, absolut ungeeigneten Schotterweg direkt entlang des Deiches schicken. Mit einem kurzen Blick auf die analoge Karte und einem kurzen Zwischenstück komplett ohne Navigationsunterstützung liess sich der richtige Weg aber problemlos finden.



Der Empfang auf dem Campingplatz war unheimlich herzlich. Der Besitzer führte mich kurz persönlich über das gepflegte Gelände und überliess mir die komplett freie Platzwahl zwischen den gemütlichen Bungalows. Nachdem Hugo final ausgerichtet war, holte ich die Campingmöbel heraus und genoss die intensive Nachmittagssonne vor dem Camper.
Zum Abschluss des Tages ging es über die hölzernen Stege an den weitläufigen Atlantikstrand. Ich genoss es in vollen Zügen, dass dieser Abschnitt vollkommen menschenleer war: Nur ich, der feine Sand, das tosende Rauschen der Wellen und ein paar kreischende Möwen am Himmel. Obwohl hinter den schützenden Dünen ein spürbar kräftiger, kühler Wind pfiff, war es mit den richtigen Klamotten herrlich auszuhalten. Mit einer erfrischenden Limonade in der Hand schaute ich schliesslich zu, wie die Sonne spektakulär am feuerroten Horizont im Meer versank.






Etappe: Porto / Canidelo – Aveiro – Costa Nova – Vagueira (ca. 95 km im Wohnmobil)
Übernachtung – Campground:
Campingplatz „Vagasplash“
8,50 € für 1 Nacht
Der Campingplatz ist wirklich schön und strandnah. Im November war er wirklich wenig besucht. Dies dürfte im Sommer anders sein, da sich der Campingplatz unmittelbar an einen Wasserpark anschliesst. Neben den Stellplätzen hat es noch ein paar kleine Bungalows. Ausserdem gibt es einen gut ausgestatteten Grillbereich, an dem man mit Holzkohle grillen kann.
Empfehlung: ★★★★☆
Im November würde ich hier auf jeden Fall wieder übernachten.


