Wasserflugzeug nahe Stuart Island
Amerika,  National Park

Kanada Roadtrip: Buckelwale im Dauerregen

Der Tag stand ganz im Zeichen des nassen Elements – sowohl von unten als auch von oben. Für Campbell River war sprichwörtlich Dauerregen angesagt. Da mein Knie vom vielen Fahren auf den steilen Passstrassen immer noch stark schmerzte, war ich an diesem Morgen mehr als froh, dass das Wohnmobil sicher auf dem Campingplatz stehen bleiben konnte und ich weder fahren noch viel laufen musste.

Der halbstündige Spaziergang hinunter zum Hafen war wie durch ein Wunder die einzige trockene Phase des Tages. Am Pier angekommen, ging es an Bord eines kleinen, geschlossenen Bootes, das ideal für das ungemütliche Wetter war, aber dennoch genug Decksfläche im Aussenbereich bot, um die Tierwelt hautnah zu fotografieren.

Das majestätische Auftauchen der Meeresgiganten

Wir mussten nicht lange suchen: Schon kurz nach dem Ablegen sichteten wir den ersten Buckelwal. Es ist jedes Mal aufs Neue tief beeindrucken, wie sanft und elegant diese riesigen Säugetiere durch das dunkle Wasser gleiten. Meist kündigen sie sich durch ihren lautstarken „Blow“ an – die meterhohe Fontäne beim Ausatmen, die selbst bei der durch den Regen eingeschränkten Sicht gut zu erkennen war.

Wir beobachteten den Wal dabei, wie er dreimal ruhig an der Oberfläche Luft holte, bevor er seinen mächtigen Rücken krümmte und mit dem klassischen, eleganten Abtauchen der Fluke (der Schwanzflosse) in den Tiefen des Pazifiks verschwand. Kaum hatten wir die Fahrt wieder aufgenommen, zeigte sich bereits der nächste Wal direkt an unserem Heck.

Notruf auf See

Plötzlich änderte sich die Dynamik der Tour schlagartig. Über Funk kam die Meldung, dass ein anderes Schiff in der Region einen Wal touchiert hatte. In den Gewässern um Vancouver Island gilt für alle Boote in einem solchen Fall eine strikte Beistandspflicht: Wer in der Nähe ist, muss hinfahren, das Tier lokalisieren und nach Verletzungen Ausschau halten. Da unsere Kapitänin eine professionelle Kameraausrüstung zur Dokumentation an Bord hatte, machten wir uns sofort auf den Weg zum Unfallort.

Nach kurzer Suche entdeckten wir den betroffenen Buckelwal. Die Erleichterung an Bord war gross: Der Riese verhielt sich vollkommen normal, tauchte ruhig und zeigte keinerlei sichtbare Wunden oder Verhaltensauffälligkeiten. Er blieb sogar so entspannt in unserer Nähe, dass wir die nötigen Kontrollfotos für die Meeresbiologen schiessen konnten.

Erkundungstour und Planänderung am Abend

Nachdem der Vorfall offiziell gemeldet und Entwarnung gegeben worden war, setzten wir die Tour fort. Zwar zeigten sich auf dem restlichen Weg keine weiteren Wale mehr, dafür kreuzten wir durch ein riesiges, raues Inselgebiet und beobachteten Kolonien von Robben und Seelöwen, die dem Wetter auf ihren Felsen trotzten. Nach insgesamt sechs Stunden auf See inklusive einer Mittagspause auf Stuart Island (wo wir auch noch die Landung eines Wasserflugzeuges beobachten konnten) legten wir wieder im Hafen an.

Zurück am Camper stand das Schonen des Beins an oberster Stelle. Ich nutzte die Ruhepause im trockenen RV, um meine kommenden Übernachtungen zu optimieren. Eigentlich hatte ich für die Weiterreise zwei Nächte in Crofton gebucht. Bei der Detailrecherche für den geplanten Ausflug nach Victoria stellte ich jedoch fest, dass es viel cleverer wäre, direkt vor den Toren der Hauptstadt zu campieren. Kurzerhand reservierte ich einen Platz auf dem Fort Victoria RV Park – von dort aus gelangt man perfekt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt, ohne das 30-Fuss-Wohnmobil durch den Stadtverkehr manövrieren zu müssen. Mit einigen Streamingserien liess ich den Abend gemütlich ausklingen, während der Regen draussen unaufhörlich auf das Dach prasselte.

Kanada Roadtrip: Quer über Vancouver Island nach Campbell River

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