Amerika,  National Park

USA Nordwesten: Crater Lake NP

Vom „Proud American Breakfast“ zum Ritt in die Wolken: Der heutige Tag hält die befürchteten Wetterkapriolen bereit. Während der Morgen in Bend noch im Zeichen kulinarischer Giganten und logistischer Abenteuer steht, fordert der Crater-Lake-Nationalpark am Nachmittag meine ganze Flexibilität. Der erhoffte Postkartenblick auf das tiefblaue Naturwunder versinkt im herbstlichen Schneegestöber – doch am Ende beweist ein traumhafter State Park im Wald mal wieder, dass die besten Entschädigungen auf einem Roadtrip oft dort warten, wo man sie am wenigsten erwartet.

Ein legendäres Frühstück und das Propangas-Abenteuer 

Der Tag startete extrem entspannt, denn der Blick auf den Wetterbericht war alles andere als einladend: Für den Crater Lake wurde oben auf dem Kraterrand tatsächlich bereits der erste Schnee vorhergesagt… Im September!

Da heute ausschliesslich der Nationalpark auf meinem Plan stand (den landschaftlich reizvollen Smith Rock State Park musste ich leider von der Agenda streichen, da dort Wohnmobile über eine gewisse Grösse strikt verboten sind), steuerte ich am Morgen erst einmal das berühmte Black Bear Diner in Bend an. Dieses Diner ist absolut authentisch und folgt der herrlichen Philosophie, dass die Portionen gigantisch sein müssen, weil der Kunde schliesslich hart für seine Dollars arbeitet. Ein weiser Ansatz! Ich bestellte eines der absoluten Top-Gerichte auf der Karte – eine gewaltige Kreation, die nur so vor Bacon, Würstchen und Schinken strotzte. Die Portion war derart riesig, dass ich sie beim besten Willen nicht bezwingen konnte, aber es war verdammt leckeres, echtes „Proud American Breakfast“.

Gut gesättigt steuerte ich eine Tankstelle an, um mein Propangas auffüllen zu lassen. Das Gas ist an Bord des Campers essenziell, um Warmwasser zu erzeugen, den Herd zu betreiben und den Kühlschrank zu kühlen, wenn man autark ohne festen Stromanschluss steht. Da man in den USA das Propangas an den Zapfstellen aus Sicherheitsgründen nicht selbst tanken darf, suchte ich mir einen der Angestellten.

Der herbeigerufene Mitarbeiter gestand mir lachend, dass er seit gut zehn Jahren kein Wohnmobil mehr betankt hatte, weshalb er kurzerhand noch einen zweiten Kollegen zur Verstärkung holte. 🙂 Hier zeigte sich wieder einmal der typisch amerikanische Pragmatismus: Jeder packt an, wo es brennt. Ich stellte mich als Kunde einfach abwartend daneben und beobachtete das Spektakel. Am Ende bekamen die zwei es nach fünf Minuten erfolgreich hin. Das Ergebnis: 4,5 Gallonen Gas für läppische $11,25 – definitiv eine der günstigsten Tankungen auf der gesamten Reise!

Gesperrte Outlooks und die tückische Höhenluft

Mit vollen Tanks, geleerten Abwassertanks und vollem Magen rollte ich schliesslich los in Richtung Crater Lake. Das Wetter zeigte sich zunächst durchwachsen, was mir ein wenig Hoffnung machte, da immer mal wieder ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken brachen.

Kurz hinter Bend passierte ich das Newberry National Volcanic Monument – ein riesiges, erkaltetes Lavafeld rund um einen erloschenen Vulkan, das heute als State Park geschützt ist. Die günstigen $5 Tageseintritt verleiteten mich dazu, die Stichstrasse hineinzufahren, um vom dortigen Aussichtspunkt einen schnellen Blick über das schwarze Gestein zu werfen.

Oben angekommen folgte jedoch die Ernüchterung: Die Auffahrt zum eigentlichen Outlook war für Fahrzeuge über 22 Fuss Länge absolut gesperrt. Und mein rollendes Zuhause hat in dem Fall leider knappe drei Fuss zu viel. Der spontane Versuch, die Strecke zu Fuss anzugehen, scheiterte an einem plötzlich einsetzenden, heftigen Regenschauer und dem freundlichen Hinweis eines Parkmitarbeiters, dass der Fussweg deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würde als gedacht. Da die Parkbusse zudem seit dem Labor Day ihren Betrieb für die Saison eingestellt hatten, zog ich unverrichteter Dinge weiter.

Das Naturwunder im Schneegestöber

Die Route führte mich auf zum Teil schnurgeraden Strassen meilenweit durch die einsamen Wälder Oregons in Richtung Krater. Kurz vor der Parkeinfahrt keimte noch einmal kurz Optimismus auf, als ich durch einen Abschnitt mit strahlendem Sonnenschein fuhr. Doch kaum hatte ich die Parkgrenze passiert, war die Hoffnung verflogen.

Ein massiver Regenschauer setzte ein, und mit jedem Höhenmeter, den der Camper mühsam den Berg hinaufkletterte, wurde die Sicht schlechter. Als ich den Kraterrand erreichte, lag der Crater Lake in einer dichten Wand aus tief hängenden Wolken. Es regnete und schneite abwechselnd bei eisigen Temperaturen. Nur für ein paar wenige Sekunden riss der Nebelvorhang ganz kurz auf und gab einen schemenhaften Blick auf die Wasserfläche frei – doch von der legendären, ungetrübten Pracht dieses Naturwunders gab es heute keine Spur.

Der See besitzt keinerlei Zuflüsse und wird ausschliesslich durch Regen und die jährliche Schneeschmelze gespeist, was ihm bei Sonnenschein sein tiefes, fast unnatürliches Blau verleiht. An diesem Tag musste ich mich jedoch mit einer mystisch-grauen Kulisse zufriedengeben.

Rehe und Wildnis-Idyll im State Park

Da das Wetter oben am Krater absolut keine Besserung versprach, trat ich die Weiterfahrt hinunter zu meinem Tagesziel an: der Joseph H. Stewart State Recreation Area. Gegen 16 Uhr kam ich dort an und war damit vergleichsweise früh dran.

Der Campingplatz war jedoch eine absolute Wucht und entschädigte mich augenblicklich für den verregneten Nachmittag. Wie fast alle staatlichen Campingplätze in den USA war das Areal wunderschön weitläufig, naturnah und extrem gepflegt inmitten eines dichten Waldes angelegt. Direkt neben meinem Stellplatz graste sogar eine kleine Gruppe von Rehen, die sich von der Ankunft des grossen Wohnmobils überhaupt nicht aus der Ruhe bringen liess.

Ich nutzte die trockenen Stunden für einen ausgiebigen, langen Spaziergang durch die Natur und warf einen ersten Blick auf den angrenzenden Lost Creek Lake. Zurück im kuschlig warmen Camper gönnte ich mir erst einmal einen wohlverdienten Powernap, schaute am Abend entspannt ein bisschen Netflix und schlief schliesslich, trotz des verpassten See-Panoramas, absolut glücklich und zufrieden ein.

Entfernung: Bend – Joseph H. Stewart State Recreation Area (258 km – 160 mi)

Übernachtung – Campground:
Joseph H. Stewart State Park

$32 (28 €)

Dieser Campground liegt in mitten eines State Parks. Er ist wunderschön angelegt. Zwischen den Bäumen und an einem See. Vom Campground aus starten einige Fahrradwege. Die Sites verfügen mindestens über Strom und Wasser. Die Dumpinganlage ist sehr gut und ordentlich.

Empfehlung: ★★★★★

Auf jeden Fall jederzeit wieder! 🙂 

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