Europa,  Roadtrip

Carvoeiro und Albufeira: Fischerboote, Klippen-Magie und ein kulinarischer Reinfall

Improvisation an den Klippen und die Ruhe der Nebensaison: Der Tag startete mit grossen Plänen, forderte dann aber erst einmal die typische Flexibilität eines Roadtrips. Eigentlich stand die weltberühmte Benagil-Höhle ganz oben auf dem Zettel. Doch die Natur und die Gegebenheiten vor Ort sorgten für eine spontane Planänderung. Stattdessen hielt der Tag entspannte Strandspaziergänge in Albufeira, spektakuläre Klippen-Ausblicke direkt am Hotel und ein Abendessen bereit, das die Schattenseiten touristischer Hotspots aufzeigte.

Kajak-Planänderung und Fischer-Idylle in Armação de Pêra

Nach dem Frühstück im Hotel machten sich meine Freunde und ich uns auf den Weg zu den nahe gelegenen Benagil Caves. Die gewaltige, nach oben hin geöffnete Meereshöhle ist eines der bekanntesten Fotomotive Portugals. Vor Ort folgte jedoch direkt die Ernüchterung: Uns wurde mitgeteilt, dass die Höhlen ausschliesslich mit dem Kajak oder schwimmend zu erreichen sind. Da das mit einem Kleinkind in unserer Runde natürlich absolut keine Option war, mussten wir umplanen. Der Kajakvermieter war glücklicherweise super freundlich und gab mir den wertvollen Tipp, im nahe gelegenen Armação de Pêra nachzusehen – von dort aus sollten grössere, familienfreundliche Boote in die Höhlen starten.

Also setzten wir uns direkt wieder in den Leihwagen und fuhren die Küste hinunter. Leider hatten wir auch dort kein Glück, da zu diesem Zeitpunkt keine Fahrten stattfanden. Der Stopp lohnte sich dennoch: Am weitläufigen Praia dos Pescadores konnten wir den lokalen Fischern aus nächster Nähe dabei zuschauen, wie sie ihre traditionellen Holzboote und die schweren Netze nach der morgendlichen Ausfahrt wieder fit machten und den frischen Fang anlandeten. Bei einem anschliessenden Spaziergang über den weichen Sand sammelte ich ein paar wunderschöne Muscheln und genoss einfach das beruhigende Rauschen der Wellen.

Entspanntes Schlendern im sonst so trubeligen Albufeira

Im Anschluss fiel die Entscheidung, ein Stück weiter östlich nach Albufeira zu fahren. Während der Sommermonate ist die Stadt als absolute Touristenhochburg bekannt, in der sprichwörtlich die Hölle los ist und das Nachtleben pulsiert. Jetzt, im tiefen November, präsentierte sich der Ort von einer völlig anderen, wunderbar ruhigen und charmanten Seite.

Ohne die sonst üblichen Menschenmassen bummelten wir vollkommen entspannt durch die weiss getünchte Altstadt, zog durch die schmalen Gassen und schlenderte an der sonnenverwöhnten Promenade entlang. Die bunten Dekorationen an den Hauswänden, die kleinen Kirchen und der weite Blick über den verlassenen Stadtstrand versprühten eine herrliche, friedliche Postkartenidylle.

Klippen-Kraxelei und ein feuerroter Sonnenuntergang

Am Nachmittag ging es zurück zu unserer Basis nach Carvoeiro. Bewaffnet mit kühlen Getränken und einer Tüte Chips machten wir es uns zunächst im gepflegten Garten des Hotels Tivoli gemütlich und liessen den Blick über das unendliche Blau des Atlantiks schweifen.

Als sich der Tag dem Ende neigte, hielt uns nichts mehr auf den Stühlen: Wir „kletterten“ auf die mächtigen, zerklüfteten Sandsteinklippen, die die Hotelbucht malerisch einsäumen. Von hier oben bot sich ein Logenplatz der Extraklasse, um den Sonnenuntergang zu bewundern. Die untergehende Sonne färbte den Himmel in die spektakulärsten Rot- und Orangetöne, während ein paar Möwen im eleganten Segelflug an den Felswänden vorbeizogen. Ein absolut magischer, unvergesslicher Anblick – einfach unfassbar schön!

Schattenseiten der Touristen-Gastronomie

So perfekt der Tag an den Klippen aufhörte, so enttäuschend verlief leider das anschliessende Abendessen. Das erste Restaurant, das wir im Vorfeld sorgsam herausgesucht hatte, hatte im November leider bereits geschlossen. Bei der Suche nach einer Alternative landeten wir schliesslich in einem Lokal, das sich laut Namensgebung als traditionelle portugiesische Taverne präsentierte. Vor Ort stellte sich jedoch schnell heraus, dass die Besitzer an sich aus den Niederlanden stammten – was prinzipiell kein Problem wäre, allerdings suchte man auch in der Küche einen einheimischen Koch vergeblich.

Das spiegelte sich leider eins zu eins auf den Tellern wider: Die Fischspiesse waren geschmacklich eine echte Enttäuschung, und auch das Rindersteak mit Pommes frites konnte qualitativ absolut nicht überzeugen. Hier zeigte sich wieder einmal die alte Camper-Regel: In den extrem touristischen Zentren erwischt man ohne ausgiebige Recherche leider viel zu oft Massenware statt echter Qualität.

Dennoch liessen wir uns die hervorragende Urlaubsstimmung dadurch nicht vermiesen. Zurück im Hotel öffnete ich eine gute Flasche portugiesischen Wein und liess den ereignisreichen Tag auf dem Zimmerbalkon ausklingen – mit dem sanften Rauschen des nächtlichen Meeres im Ohr und dem Blick auf den dunklen Horizont.

Ausflug: Carvoeiro – Benagil – Armação de Pêra – Albufeira – Carvoeiro (ca. 60 km im Mietwagen)

Von Lagos nach Carvoeiro: Klippen-Pfade, Sandstein-Tunnel und Meerblick im Tivoli
Von Carvoeiro zurück nach Lagos: Korkeichen im Hinterland und ein zweites Mal Sagres

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