
Kanada Roadtrip Tag 7: Canyons, Eisenbahn-Magie und der Blick in den Abgrund
Ein strahlend blauer Himmel und knackige 3 Grad – der perfekte Morgen für eine grosse Rundtour durch die Rocky Mountains. Da mein Wohnmobil sicher am Platz stand, nutzte ich wieder den Mietwagen, um flexibel zwischen den Nationalparks Kootenay und Yoho zu wechseln.
Der Tag startete klassisch: Ein schnelles Frühstück im Camper, gefolgt von einem kurzen Abstecher nach Banff. Bei einem Pumpkin Spice Latte von Starbucks wurden die letzten Updates geladen, bevor ich in die Stille der Natur eintauchte.





Kootenay National Park: Türkis und Ocker
Mein erstes Ziel war der Marble Canyon. Entgegen seinem Namen besteht er nicht aus Marmor, sondern aus Kalkstein und Dolomit. Der Weg entlang des Canyons (ca. 2 km) führt über mehrere Brücken, von denen man tief in die engen Felsspalten blicken kann. Die morgendliche Stimmung war magisch: Der Reif verdampfte in der aufsteigenden Sonne, und das Wasser des Tokumm Creek leuchtete in einem fast unwirklichen Türkis.





Gleich um die Ecke liegen die Paint Pots. Diese ockerfarbenen Teiche sind ein heiliger Ort für die Ureinwohner (First Nations), die den farbigen Schlamm als Pigment für Felsmalereien und Zeremonien nutzten. Der eisenhaltige Boden färbt hier alles in leuchtende Orange- und Rottöne – ein faszinierender Kontrast zum Grün des Waldes.






An den Numa Falls wurde mir wieder einmal die Kraft des Wassers bewusst. Auch wenn die Fallhöhe eher gering ist, hat sich der Vermillion River hier tief in das Gestein gegraben. Mein Plan, dort eine längere Waldwanderung einzulegen, scheiterte an meinem Schnupfen und der Feuchtigkeit im schattigen Wald – nach 3,5 km entschied ich mich für die Vernunft und kehrte um.


Durch die Berge zum Golden Skybridge
Die Fahrt führte mich weiter südlich nach Radium Hot Springs, bekannt für seine Thermalquellen, die direkt in den Sinclair Canyon gebaut wurden. Nach einem kurzen Durchatmen ging es weiter Richtung Golden. Die Strecke durch das Columbia Valley bietet ein weites Panorama und ist landschaftlich komplett anders als die engen Bergtäler zuvor.






In Golden wartete die Golden Skybridge auf mich (Eintritt ca. 50 CAD). Es handelt sich um die höchsten Hängebrücken Kanadas – die höchste schwebt stolze 130 Meter über dem Canyon. Neben dem Skywalk gibt es dort einen Zipline-Park und einen „Giant Canyon Swing“. Für mich war jedoch der Blick in die Tiefe und auf die fernen Gipfel das eigentliche Highlight.






Das Schauspiel am Spiral Tunnel
Auf dem Rückweg durch den Yoho National Park wartete mein persönlicher Höhepunkt: Der Spiral Tunnel. Um den extrem steilen Pass „Big Hill“ zu bewältigen, baute die Canadian Pacific Railway zwei spiralförmige Tunnel in die Berge.
Das Besondere: Der Zug fährt in den Berg ein, dreht sich im Inneren im Kreis und kommt an einer anderen Stelle wieder heraus.
Der Glücksmoment: Ich kam genau 5 Minuten vor einem der legendären, kilometerlangen Güterzüge an. Es ist absolut beeindruckend, wenn man denselben Zug gleichzeitig an drei verschiedenen Ebenen des Berges sieht – die Lokomotive verlässt den Tunnel, während das Ende des Zuges noch weit oben in den Berg einfährt.







Feierabend mit Hausmitteln
Der Rückweg nach Banff ging schnell, war aber wie jedes Mal landschaftlich faszinierend. Den Abend liess ich bei einer Pizza und einem grossen Glas frischem Ingwertee ausklingen. Die Wärme des Tees war genau das, was mein Schnupfen nach diesem langen Tag an der frischen Bergluft brauchte.


