City,  Europa

Süsses Emmental und Luzerner Seezauber: Roadtrip durch die Zentralschweiz

Von Biscuits, Käsern und geschichtsträchtigen Brücken: Nach einer weiteren traumhaft ruhigen Nacht auf dem einsamen Berghof steht der finale Tag dieses Kurztrips im Zeichen des Genusses und der Schweizer Postkarten-Idylle. Die Route führt vom wildromantischen Entlebuch über die Hügel des Emmentals direkt an den glitzernden Vierwaldstättersee. Ein abwechslungsreicher Roadtrip, der neben süssen Werksverkäufen und traditionellem Handwerk vor allem mit einer überraschend entspannten Parkplatzsuche in der Touristenmetropole Luzern auftrumpft.

Abschied von den Kühen und Brems-Schonung im Tal

Der Tag startete herrlich entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück, während draussen vor dem Fenster bereits die Kühe friedlich auf der Wiese grasten. Der Morgen präsentierte sich zwar noch etwas wolkenverhangen, aber der Wetterbericht versprach glücklicherweise rasche Besserung und jede Menge Sonnenschein.

Nach dem Abwasch wurde Hugo im Handumdrehen wieder reisefertig gemacht. Das Innenleben wurde verstaut, die Heckstützen hochgekurbelt und die Campingmöbel sicher in der Heckgarage untergebracht. Nach einer kurzen, mentalen Verabschiedung von meinen neugierigen tierischen Nachbarn drehte ich gegen 10:00 Uhr den Zündschlüssel um.

Die Fahrt hinunter ins Tal über den extrem schmalen Wiesen- und Asphaltweg forderte noch einmal volle Konzentration. Dank des konsequenten Einsatzes der Motorbremse rollte der schwere Camper absolut kontrolliert bergab, ohne dass die Bremsanlagen überhitzten. Auf der gesamten Passage blieb mir zum Glück jeglicher Gegenverkehr erspart. Ab Escholzmatt hatte ich dann endlich wieder reguläre, breite Strassen unter den Reifen.

Boxenstopp im Biscuit-Paradies Kambly

Der erste geplante Zwischenhalt führte mich direkt nach Trubschachen zum traditionsreichen Gebäckhersteller Kambly. Der moderne Werksverkauf liegt nur ein kurzes Stück hinter Escholzmatt und ist ein absolutes Mekka für alle, die die berühmten Schweizer „Bretzeli“ lieben. In normalen Zeiten darf man sich hier laut vielen Reiseberichten durch das gesamte, riesige Sortiment probieren – aufgrund der aktuellen Corona-Einschränkungen war das Naschen vor Ort leider strikt untersagt.

Der Werksverkauf selbst ist in einem architektonisch sehr schicken, modernen Neubau untergebracht. Am Eingang wurde penibel auf die Hygienemassnahmen und Handdesinfektion geachtet. Drinnen reihten sich die Regale voller süsser Köstlichkeiten aneinander. Ein echter Geheimtipp ist die sogenannte „Bruchware“, die in grossen 500-Gramm-Beuteln unschlagbar günstig angeboten wird.

Nach einem kurzen Rundgang durch die animierte Info-Ecke zur Entstehungsgeschichte des Familienunternehmens deckte ich mich grosszügig mit Knabberkram ein. Ein Besuch, der sich definitiv gelohnt hat – auch wenn ich fest eingeplant habe, wiederzukommen, sobald das grosse Probieren vor Ort wieder erlaubt ist! 🙂

Ein Hauch von Tradition im Emmental

Nach weiteren 30 Minuten Fahrtzeit durch die hügelige Landschaft erreichte ich das malerische Örtchen Affoltern im Emmental. Ich parkierte Hugo etwas abseits auf einem freien Platz gegenüber der markanten Dorfkirche. Erst beim anschliessenden Spaziergang bemerkte ich, dass ich die Schilder wohl etwas missverstanden hatte: Direkt an der bekannten Schaukäserei gab es eigentlich separate, grosszügige Parkflächen.

Die Emmentaler Schaukäserei war an diesem Sonntagmittag äusserst gut besucht. Allerdings hinterliess das Hygienekonzept vor Ort gemischte Gefühle: Im krassen Gegensatz zu den bisherigen Stationen gab es hier kaum Hinweisschilder zur Pandemielage und auch keine Stationen zur Handdesinfektion. Besonders im historischen „Stöckli“ drängten sich die Besucherströme auf engstem Raum durch die Räumlichkeiten.

Ich versuchte so gut es ging, den Mindestabstand eigenverantwortlich einzuhalten, schaute mir das traditionelle Handwerk der Käseherstellung kurz an und besorgte im hauseigenen Laden ein paar kulinarische Kleinigkeiten, bevor ich mich zügig wieder auf den Weg zum Camper machte.

Der perfekte Wohnmobil-Parkplatz in Luzern

Das nächste grosse Etappenziel hieß Luzern. Die weltberühmte Leuchtenstadt am Vierwaldstättersee stand schon unheimlich lange auf meiner persönlichen Reise-Liste. Da das Jahr 2020 durch das Ausbleiben der grossen internationalen Reisegruppen aus Asien und dem Nahen Osten eine seltene, fast historische Ruhe in den Schweizer Hotspots versprach, wollte ich diese einmalige Chance unbedingt nutzen.

Im Vorfeld hatte ich im Netz recherchiert und einen genialen, zentrumsnahen Parkplatz ausfindig gemacht, der explizit für Wohnmobile ausgewiesen ist. Der Platz erlaubt zwar absolut keine Übernachtung, ist dafür aber strategisch perfekt gelegen (Plus-Code: ⁠28W9+Q3 Luzern⁠).

Vor Ort war ich absolut positiv überrascht: Das Areal ist extrem weitläufig, bietet selbst für grosse Reisemobile massig Platz und ist preislich mit unschlagbaren 1 Franken pro Stunde ein echtes Schnäppchen. Bezahlt wird ganz unkompliziert bar oder via Twint.

Zwischen geschichtsträchtigen Brücken und Confiseur-Kunst

Vom Parkplatz aus stand ich in weniger als fünf Gehminuten direkt vor der weltberühmten Kapellbrücke. Auf der Seebrücke angekommen, bot sich mir ein atemberaubendes Panorama über den tiefblauen Vierwaldstättersee und die imposante Bergkulisse am Horizont. Da sich pünktlich zu meinem Stadtbummel auch die Sonne immer wieder erfolgreich gegen die Wolken durchsetzte, erstrahlte die Szenerie in den schönsten Farben.

An diesem Sonntag war ordentlich Betrieb in den Gassen. Entlang des Seeufers sassen die Menschen in kleinen Gruppen und genossen sichtlich den warmen Sommertag. Beim Schlendern durch die Fussgängerzone schoss mir unweigerlich der Gedanke durch den Kopf, wie extrem überlaufen diese engen Gassen erst sein müssen, wenn die riesigen Reisebusse aus aller Welt zusätzlich in die Stadt strömen. So war es einfach nur wunderschön.

Natürlich spazierte ich ausgiebig über die historische Kapellbrücke – das absolute Wahrzeichen der Stadt. Sie gilt als die zweitlängste überdachte Holzbrücke Europas und trotzt hier seit über 650 Jahren den Fluten der Reuss. Besonders faszinierend sind die unzähligen dreieckigen Holztafeln im Brückengiebel, die mit ihren detaillierten Gemälden die Schweizer Geschichte lebendig visualisieren.

Der Weg führte mich weiter vorbei an der prachtvollen Jesuitenkirche. Vom Rathaussteg aus genoss ich noch einmal den klassischen Postkartenblick auf die Kapellbrücke und die kunstvoll bemalten Häuserfassaden der Altstadt, bevor ich von der Reussbrücke aus das historische Nadelwehr und die etwas kleinere Spreuerbrücke bewunderte.

Bevor es zurück zum Camper ging, legte ich noch einen süssen Boxenstopp beim bekannten Confiseur Bachmann ein. Ausgerüstet mit einem frischen Sandwich und einem kunstvoll verzierten Cupcake suchte ich mir ein gemütliches Plätzchen in der Nähe des Seeufers. Mit Blick auf das glitzernde Wasser schmeckte das verspätete Mittagessen gleich doppelt so gut. Nach rund 2,5 Stunden intensiver Stadterkundung kehrte ich zu Hugo zurück, wo ich mir den süssen Cupcake als krönenden Abschluss schmecken liess.

Die Heimreise mit Boxenstopp an der Servicestation

Im Anschluss trat ich die rund zweistündige Heimreise in den Norden an. Hugo schnurrte wie ein Kätzchen über die Schweizer Autobahnen. Bevor ich den Camper jedoch endgültig zurück auf seinen regulären Stellplatz stellte, steuerte ich für das finale Pflichtprogramm noch eine bekannte Ver- und Entsorgungsstation in Singen an.

Auf dem dortigen Campingparkplatz an der Landesgartenschau (Plus-Code: ⁠QR5H+V5 Singen⁠) lässt sich die Infrastruktur perfekt nutzen: Im Handumdrehen waren die Grauwasser- und Schwarzwassertanks vollständig geleert und Hugo wieder blitzsauber für das nächste spontane Abenteuer vorbereitet. Ein rundum gelungenes, kontrastreiches Wochenende in der Heimat ging damit erfolgreich zu Ende!

Etappe: Escholzmatt – Trubschachen – Affoltern im Emmental – Luzern – Heimatort (ca. 190 km im Wohnmobil)

Wohnmobil-Abenteuer im Entlebuch: Zwischen Kühen, Eseln und Regenwolken
Bella Italia am Lago Maggiore: Uferpromenade, Aperitivo und Pizza-Glück

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner